Ein Soldat wird zivil

NACHRICHTENDIENST ⋅ Jean-Philippe Gaudin übernimmt die Nachfolge von Markus Seiler als Chef des Nachrichtendienstes des Bundes. Der Karrieresoldat legt seine Uniform ab.
13. April 2018, 00:00

Der Bundesrat hat Jean-Philippe Gaudin zum Nachfolger von Markus Seiler an der Spitze des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) ernannt. Gaudin ist heute Verteidigungsattaché in Paris im Rang eines Divisionärs. Bis 2015 hatte er den Militärischen Nachrichtendienst geleitet. Seine gesamte Laufbahn ist militärisch geprägt: Jahrelang arbeitete der Waadtländer als Instruktionsoffizier. Im Jahr 2000 kommandierte er eine Versorgungseinheit der OSZE in Bosnien-Herzegowina.

Nach einem Studienaufenthalt in Rom übernahm er Führungsfunktionen im Militärischen Nachrichtendienst. 2008 stieg er an die Spitze auf. Gaudin macht keinen Hehl aus seiner Prägung. Er sei seit 32 Jahren Soldat, nun hänge er seine Uniform in den Schrank. «Das tut ein bisschen weh», sagte er gestern vor den Bundeshausmedien.

Unruhige Zeiten für NDB

Laut Verteidigungsminister Guy Parmelin war Gaudin einer von drei Bewerbern, die alle Kriterien für den Posten erfüllten. Entscheidend sei das persönliche Gespräch gewesen. Die beiden Waadtländer stehen sich seit Jahren nahe. «Wir schätzen uns», sagte Gaudin. Der 55-jährige Gaudin ersetzt Markus Seiler an der Spitze des NDB. Seiler hatte den Dienst seit der Zusammenlegung von Inland- und Auslandgeheimdienst im Jahr 2010 geleitet. Im letzten Dezember wechselte er als Generalsekretär ins Aussendepartement EDA.

Er übergibt Gaudin den NDB in einer unruhigen Phase. 2012 hatte ein Mitarbeiter geheime Daten gestohlen. Die Geschäftsprüfungsdelegation der eidgenössischen Räte machte dafür vorab Seiler verantwortlich. Er soll die Informationssicherheit in schwerwiegender Weise vernachlässigt haben. Der NDB war auch im Zusammenhang mit dem Datenleck bei der Ruag in die Kritik geraten. (sda)

Kommentar 6. Spalte 5


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