Kommentar

Es zahlt, wer profitiert

09. Oktober 2017, 00:00

Wie schwer wir uns die Dinge hierzulande machen – zum Beispiel in der familienergänzenden Kinderbetreuung. Derweil die Kindertagesstätte in anderen Ländern gleichsam zur DNA des Familienlebens gehört, harzt es in der Schweiz immer noch. Aus kulturellen Gründen, weil die Kluft zwischen intern und extern bei der Betreuung von Kindern mitunter ideologischen Gehalt hat. Aber auch, weil wir zum Perfektionismus eher als zum Pragmatismus neigen.

Dabei wäre es gar nicht so kompliziert. Klar ist, dass Eltern nicht dazu gezwungen werden dürfen, ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen zu lassen. Das Angebot muss freiwillig sein. Fest steht zudem, dass die Angebote realem Bedarf zu entsprechen haben – in Bezug auf Anzahl und Art. Manchmal braucht es keine teure Kita, sondern eine gute Tagesmutter. Vor allem aber: Die Angebote müssen zugänglich sein – insbesondere finanziell.

Das heisst nicht, dass sich Eltern nicht angemessen und entlang ihrer finanziellen Möglichkeiten an den Kosten beteiligen sollen, im Gegenteil. Es bedeutet aber auch, dass sich Staat und Unternehmen über den Mehrwert von Eltern bewusst sein müssen, die zur Wirtschaftsleistung beitragen, Steuern zahlen und Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Nicht zu reden von dem, was die Gesellschaft von funktionierenden Familien und gut inte­grierten Kindern hat.

Der Ruf des Arbeitgeberverbandes ist vor diesem Hintergrund nicht zuletzt ein Weckruf in eigener Sache. In der Pflicht stehen alle, die profitieren. Es braucht gute, gescheite, praktische, finanzier- und bezahlbare Lösungen.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch


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