Für Welt ohne Atomwaffen

FRIEDENSNOBELPREIS ⋅ Die Vergabe an das Ican-Netzwerk in Genf ist für das Komitee ein Aufruf an die Atommächte, mit der Vernichtung der Waffen zu beginnen.
07. Oktober 2017, 00:00

«Wir leben heute in einer Welt, in der das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kommen, grösser ist als lange Zeit», sagte die Chefin des norwegischen Nobel-Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises. Einige Staaten modernisierten ihre nuklearen Arsenale, und die Gefahr, dass sich weitere Länder Atomwaffen beschafften, «ist real, wie es Nordkorea zeigt», sagte Reiss-Andersen.

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) erhalte die Auszeichnung vor diesem Hintergrund für ihre Arbeit, mit der sie auf die «katastrophalen humanitären Folgen» von Atomwaffen aufmerksam mache. Auch werde Ican für ihre «bahnbrechenden Bemühungen» geehrt, ein Verbot solcher Waffen auf Basis eines Vertrags zu erreichen. Es handle sich auch um einen Aufruf an alle Atommächte, ernsthafte Verhandlungen über eine schrittweise Vernichtung der fast 15000 Atomwaffen in der Welt zu beginnen, sagte Reiss-Andersen.

Schweiz: Vertiefte Analyse des Abkommens nötig

Das Ican-Netzwerk hat massgeblich am UNO-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt. Mit der Unterzeichnung des Vertrags wurde im September begonnen. Die vermutlich neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten hatten die Verhandlungen über den Vertrag boykottiert. Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, könnten die Verhandlungen nichts ändern. Bundespräsidentin Doris Leuthard sprach per Twitter von einem «wichtigen Zeichen» zu einem Zeitpunkt, an welchem Atomwaffen eine wachsende Gefahr darstellten. Der Entscheid des Nobelkomitees gebe all jenen Auftrieb, die für eine atomwaffenfreie Welt kämpften. Die Schweiz gehört bisher nicht zu den Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens. Die Festlegung der Schweizer Position erfordere eine vertiefte Beurteilung. Eine breite Analyse des Abkommens und dessen Wirkung habe bereits begonnen, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mit. (sda) 2/3

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