Harsche Kritik an Ruoff

POSTAUTO-AFFÄRE ⋅ Post-Chefin Susanne Ruoff soll bereits seit 2013 von den Tricks in der Buchhaltung der Postauto AG gewusst haben. Politiker fordern Konsequenzen.
09. Februar 2018, 00:00

Dominik Weingartner

Die Luft für die Konzernchefin der Post wird dünner: Susanne Ruoff soll schon länger von den Buchhaltungstricks der Postauto AG gewusst haben, als sie zunächst zugeben wollte. Gestern veröffentlichte Dokumente sollen belegen, dass die Post-Chefin seit 2013 davon Kenntnis hatte, dass die Postauto AG Gewinne in Millionenhöhe in der Buchhaltung verschwinden liess, um höhere Subventionen für Leistungen im regionalen Personenverkehr zu erhalten. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Postauto AG deswegen 78 Millionen Franken an den Bund zurückzahlen muss.

Politiker aller Parteien fordern Konsequenzen, sollten die neuen Vorwürfe zutreffen. SP-Fraktionschef Roger Nordmann sagt, Ruoff sei als Post-Chefin nicht mehr tragbar. FDP-Nationalrat Thierry Burkart fordert: «Susanne Ruoff muss sich erklären.» Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätte sich die Post-Chefin laut Burkart am «Betrug am Steuerzahler» schuldig gemacht. SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner verlangt, dass Ruoff bis zum Abschluss der Untersuchungen suspendiert wird.

Die Post-Chefin selber wiederholte gestern in einer kurzen Stellungnahme, dass sie erst Mitte November 2017 von den umstrittenen Buchhaltungspraktiken bei der Postauto AG erfahren habe. In der Affäre meldete sich gestern erstmals die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard zu Wort. «Ich bin enttäuscht über die Vorgänge bei der Postauto AG», liess die Uvek-Vorsteherin mitteilen. Sie erwarte eine lückenlose Aufklärung, so die CVP-Magistratin. Das ist nun die Aufgabe ihres Parteikollegen Urs Schwaller. Der ehemalige Ständerat und heutige Verwaltungsratspräsident der Post hat die Angelegenheit gestern zur Chefsache erklärt. Die «mit der Untersuchung beauftragten externen Experten» würden nun direkt an ihn rapportieren, teilte Schwaller mit.

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