Job-Stiftung erntet Kritik

LUZERN ⋅ SVP-Nationalrat und Unternehmer Franz Grüter will mit seiner Stiftung Arbeitslose über 50 in den Arbeitsmarkt integrieren. Praktisch erfolglos, konstatiert ein Verband.
14. August 2017, 00:00

Raphael Zemp

Arbeitslose ab 50 Jahren haben es in der Schweiz besonders schwer, eine neue Stelle zu erhalten. Das zeigt ein Blick in die Statistik: Im Kanton Luzern ist mehr als ein Viertel der Stellensuchenden über 50-jährig. Der vor fünf Jahren verstorbene Surseer FDP-Nationalrat Otto Ineichen wollte dies ändern. Mit seiner Stiftung Speranza engagierte er sich nicht nur für eine Berufsbildung von Jugendlichen, sondern auch für eine berufliche Integration älterer Arbeitsloser.

Diese Sparte hat der Eicher Unternehmer und SVP-Nationalrat Franz Grüter mit einer Partnerfirma in seine Schweize­rische Stiftung für Arbeit und Weiterbildung integriert. Die Stiftung gründete Grüter just vor seiner Wahl in den Nationalrat. Das sei nicht ganz uneigennützig gewesen, sagt Heidi Joos. Sie ist Geschäftsführerin des Verbands Avenir50plus. Der Verband, der vor fünf Jahren als Selbst­hilfeprojekt ins Leben gerufen wurde, ist in der ganzen Schweiz aktiv und bietet gratis Beratungsdienstleistungen für Betroffene an. Joos kritisiert auch die bisherige Leistung der Stiftung: «Von der Wirkung der Stiftung spüren wir nicht viel.»

Grüter: «Nur ein Tropfen auf den heissen Stein»

Das sieht Franz Grüter anders. Zwar sagt auch er, dass die Erfolge seiner Stiftung «nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind». Allerdings gebe es durchaus ­Erfolge. 125 Arbeitslose ab 50 habe die Stiftung bereits in den Arbeitsmarkt integriert.

Kern der Stiftung ist eine Computer-Software. Grüter: «Modernste IT-Mittel haben schon vielen Betroffenen geholfen, und wir hoffen, dass künftig noch mehr davon profitieren.» Nachdem die Stiftung sich bereits in den Kantonen Luzern und Aargau etabliert hat, stosse man ­aktuell in die Ostschweiz vor. Mit den Kantonen Bern und Freiburg sei man im Gespräch.

Das löst laut Heidi Joos das Problem aber nicht. Vielmehr brauche es eine politische Grundsatzdiskussion, etwa über Pensionskassenbeiträge. 11


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