Neue Regeln für Blutspende

MEDIZIN ⋅ Der Ständerat will die Wartefrist für Homosexuelle beibehalten. Dies auch, da das Rote Kreuz Regeln plant, die unabhängig von der sexuellen Orientierung funktionieren.
30. November 2017, 00:00

Wenn homosexuelle Männer Blut spenden wollen, müssen sie zuvor ein Jahr auf Sex verzichten. Bei dieser Regelung bleibt es, nachdem der Ständerat gestern eine Motion der BDP-Fraktion mit 22 zu 17 Stimmen bei 1 Enthaltung ablehnte, die alle Ausschlusskriterien für Homose­xuelle aufheben wollte.

Mit ein Grund für den Entscheid der kleinen Kammer sind Anpassungen, die das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) plant. Eine Arbeitsgruppe befasst sich derzeit mit der Erarbeitung neuer Kriterien für die Zulassung potenzieller Blutspender. Diese sollen sich nicht mehr mit der sexuellen Orientierung befassen, sondern die Zulassung von rein risikobasierten Kriterien abhängig machen.

Der Direktorvon Blutspende SRK, Rudolf Schwabe, sagt dazu: «Es liegt zum Beispiel auf der Hand, dass ein Homosexueller in eingetragener Partnerschaft ein tieferes HIV-Risiko hat als ein Heterosexueller, der seine Sexualpartner häufig wechselt.»

Bundesrat ist nicht gegen Lockerungen

Der Bundesrat hatte sich gegen die Motion ausgesprochen. Laut Gesundheitsminister Alain Berset unterstützt er aber die Lockerung, sofern die Sicherheit der Empfängerinnen und Empfänger gewährleistet ist. Dafür brauche es keine Gesetzesänderung. Berset forderte Blutspende SRK Schweiz auf, die Ausschlusskriterien weiter zu verfeinern, um allfällige Diskriminierungen zu beseitigen. Einen gesetzlichen Eingriff sieht er derzeit nicht als notwendig an.

Bundesrat Berset sieht in der Einführung der 12-Monate-Regel für Homosexuelle einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Zuvor war es für Schwule in der Schweiz während 40 Jahren nicht möglich gewesen, Blut zu spenden. Erlassen worden war die Regelung im Jahr 1977, als die aufkommende Aids-Epidemie die Welt in Atem hielt. (dow/red) 5

Direktor Blutspende SRK


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