Kommentar

Neues Kapitel aufgeschlagen

15. September 2017, 00:00

Seit über 140 Jahren thront auf dem Bürgenstock eine imposante Hotelanlage mit Anziehungskraft auf Prominenz aus aller Welt. Konrad Adenauer hat sich hier oben erholt, Audrey Hepburn feierte an dieser noblen Adresse ihre Hochzeit, und Sean Connery nächtigte vor 55 Jahren während Dreharbeiten auf dem Berg. Doch nach der Blütezeit verblasste die Strahlkraft. In den 90er-Jahren bröckelte der Putz von den Wänden der Hotels, Investitionen blieben aus.

Nun erstrahlt der Bürgenstock wieder in neuem Glanz. Mit viel Geld aus Katar wurden drei Hotels mit rund 400 Zimmern, 67 Mietwohnungen sowie 12 Restaurants gebaut. Neun Jahre dauerte die Realisierung der Anlage. Hartnäckig haben die Planer das Riesenprojekt vorangetrieben. Das Ergebnis beeindruckt: Die denkmalgeschützten Gebäude wurden geschmackvoll wiederbelebt und mit topmodernen Bauten ergänzt.

In der Region ist die Hoffnung gross, dass das Resort an die früheren Erfolgszeiten anknüpfen kann. Die Ambitionen sind riesig. Bereits 2020 will das Resort rentabel wirtschaften. Im Visier sind gutbetuchte Gäste aus aller Welt. Trotz der zum Teil saftigen Preise soll der Bürgenstock nicht den Ultrareichen vorbehalten sein – im Gegenteil. Für den Erfolg braucht es den ganz normalen Tagesausflügler.

Ob das reicht, ist von aussen schwer abschätzbar. Klar ist, dass eine solche Riesenanlage auch ein enormes Risiko birgt. Das Resort braucht genug Zeit, um Betriebstemperatur aufzunehmen. Zu hoffen ist deshalb, dass für die Investoren aus Katar nicht allein die Rendite ausschlaggebend ist, sondern die langfristige und sichere Anlage ihres Riesenvermögens.

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch


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