Analyse zur Fussball-Nationalmannschaft

Perfekte WM-Quali macht Lust auf mehr

11. Oktober 2017, 00:00

Beeindruckend! Auch im zehnten Spiel der WM-Qualifikation gehen die Schweizer XX nicht als Verlierer/als Sieger XX vom Platz. In Lissabon beendet die Nati mit einem X:X-Sieg/Unentschieden gegen Portugal eine perfekte Qualifikation und reist im nächsten Sommer nach Russland.

Die erfolgreichste Schweizer Qualifikation aller Zeiten ist vor allem Trainer Vladimir Petkovic zu verdanken. Ausgerechnet Petkovic. Als er nach der Weltmeisterschaft in Südafrika 2014 die Schweizer Equipe übernahm, wurde er belächelt. Aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse, seines Migrationshintergrundes und seiner Reputation im Vergleich zu Welttrainer Ottmar Hitzfeld.

Aber Petkovic wusste spätestens vor der nun abgeschlossenen Kampagne genau, wo er anzusetzen hat. Er hat eine Mannschaft mit grosser fussballerischer Qualität übernommen, hinzugefügt hat er ihr eine neue, grosse Stärke: den Teamgeist. Gruppenbildungen gehören der Vergangenheit an. Dabei hat es sie viel zu lange gegeben: zuerst Romands und Deutschschweizer, später «echte» und «andere» Schweizer. Der ehemalige Sozialarbeiter Petkovic, ein Tessiner mit Migrationshintergrund, schaffte es, aus vielen guten Einzelspielern eine Einheit zu formen.

Es gibt noch eine weitere mentale Komponente, die für die beeindruckende Qualifi­kation verantwortlich ist: die Siegermentalität. Die Schweiz ist im Selbstverständnis der Spieler keine kleine Fussballnation mehr. Das zeigte sich vor der Finalissima gegen Portugal. Als ein Journalist nach dem Sieg gegen Ungarn eine Frage zur Barrage stellte, meinte Fabian Frei: «Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht in die Barrage müssen.» Es zeigt das Selbstverständnis, das die Schweizer Fussballer inzwischen haben. Die Schweiz muss sich definitiv nicht mehr vor grossen Gegnern verstecken. Auch nicht vor dem Europameister.

Die Leistungen der Schweiz machen im Hinblick auf die Weltmeisterschaft Lust auf mehr, wecken Erwartungen. Wer eine Quali-Gruppe mit Europameister Portugal und Ungarn – vor einem Jahr Gruppensieger an der EM-Endrunde – gewinnt, kann auch an der WM für Furore sorgen. Die Schweiz hat auf jeden Fall die Qualität, das Team und den Trainer dazu. Russland, wir kommen!

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch


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