Kommentar

Quadratur des Kreises wagen

16. September 2017, 00:00

Wie lässt sich Diktator Kim Jong Un noch in die Weltgemeinschaft einbinden? Das Regime in Pjöngjang legt es offenkundig darauf an, Feind und Freund zu beweisen, dass es auf die internationale Meinung pfeift. Weder vorsichtige Diplomatie noch harte Sanktionen bringen Nordkorea bislang von seinem Raketen- und Atomtestprogramm ab – das ist die aktuelle Botschaft aus Pjöngjang. Man kann nur hoffen, dass Kim sich dabei verrechnet.

Man fragt sich sowieso: Was verspricht er sich von seinen Provokationen? Globale Anerkennung als Nuklearmacht? Nordkorea ist international weitgehend isoliert, politisch und genauso ökonomisch eigentlich ein Zwerg. Selbst wenn es Pjöngjang irgendwann gelingt, eine Bedrohung der USA oder auch nur der asiatisch-pazifischen Region glaubhaft darzustellen, wird es nie eine militärische Grossmacht. Dafür fehlen die Ressourcen. Allenfalls reiht sich Nordkorea in die unselige Achse Indien, Pakistan oder Iran ein.

Nordkoreas Aufrüstung wird das bitter arme Land an den Abgrund führen. Und der ganze Spuk ist ohnehin nur möglich, weil Kim sein Volk so unterdrücken kann, dass es – statt gegen diesen Verschwendungswahn aufzumucken – bei jedem Test in frenetischen Kollektivjubel verfällt. Dafür nimmt es Not und Hunger in Kauf, oft sogar humanitäre Hilfe vom Klassenfeind Südkorea. Das ist doch alles absurd. Für die Welt gibt es deshalb nur eine Antwort: auch weiterhin die Priorität auf eine friedliche Konfliktlösung setzen und gleichzeitig die Sanktionsschlinge immer enger ziehen. Auch wenn das vielleicht wie die Quadratur des Kreises aussieht. Es wird, es muss gelingen. Eines Tages geht den Provokateuren in Pjöngjang die Luft aus.

Angela Köhler

nachrichten@luzernerzeitung.ch


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