Kommentar

Rasch richtig reagiert

01. Dezember 2017, 00:00

Subito hat die Bundespolitik reagiert. Sexuelle Belästigung in jeder Form sei nicht akzeptabel, hielten die Präsidien von National- und Ständerat gestern fest. Die CVP Schweiz teilte mit, Übergriffe gegen die Integrität anderer Personen seien inakzeptabel. Die Partei hat darum den Walliser Nationalrat Yannick Buttet als Vizepräsidenten der Partei suspendiert. Zuvor hatte die Zeitung «Le Temps» berichtet, gegen den Familienvater laufe ein Strafverfahren. Er stehe unter dem Verdacht, seine Ex-Geliebte gestalkt zu haben. Die Zeitung zitierte zudem mehrere anonyme Parlamentarierinnen und Journalistinnen, die sich von Buttet sexuell belästigt fühlten.

Für Buttet gilt die Unschuldsvermutung. Er selbst hat «unangebrachte Gesten» eingeräumt, «die andere stören oder ver­letzen konnten». Es ist darum richtig, dass die Präsidien der Räte umgehend jegliche Belästigungen verurteilt haben, auch wenn sie dabei nicht konkret auf Buttet Bezug nahmen. Das Parlament ist keine Versammlung von Heiligen. Aber seine Regeln und die Verhaltens­weisen seiner Mitglieder haben Signalwirkung.

Es ist darum auch zu begrüssen, dass Parlamentarierinnen es nun wagen, übergriffiges Verhalten an den Pranger zu stellen. Nicht nur in Bern wird deswegen hitzig darüber diskutiert, ob jede doofe Anmache bereits als sexuelle Belästigung einzustufen sei. Diese Diskussion ist zwar schwierig und mühsam. Aber sie ist nötig, gerade weil die Grenzen indi­viduell verschieden sind. Es braucht offene und häufige Diskussionen darüber, wo Belästigung beginnt. Damit alle lernen, die Grenzen anderer zu respektieren und ihre eigenen klar zu kommunizieren.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch


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