Rekordangriff im Netz: Schweiz hatte Glück

CYBERKRIMINALITÄT ⋅ Die grösste Cyberattacke der Welt ist vorerst beendet. Sie könnte aber weitere Folgen haben, warnen Experten – auch für die Schweiz.
16. Mai 2017, 00:00

Federico Gagliano

Was sich seit Freitag weltweit im Netz abspielte, gab es in diesem Ausmass noch nie zuvor. 150 Länder und mehr als 200000 Ziele wurden Opfer der Schadsoftware namens WannaCry.

Die Software verschlüsselt Daten und droht mit deren Löschung, falls die Opfer nicht 300 US-Dollar in der Internetwährung Bitcoin überweisen. Die weltweite Cyberattacke löste eine Welle von Computerstörungen aus. Allein in China waren laut staatlichen Medien etwa 30000 Organisationen und Unternehmen betroffen. In Deutschland waren Anzeigesysteme und Ticketautomaten an Bahnhöfen betroffen, in Frankreich musste der Autohersteller Renault seine Produktion herunterfahren. Das grösste Risiko bestand in Grossbritannien, wo in Spitälern am Freitagabend nichts mehr ging.

Banken leiteten Gegenmassnahmen ein

Die Schweiz wurde hingegen kaum vom Angriff berührt. Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung meldete gestern rund 200 Fälle von infizierten Computern. Mehrere Grossbanken und Konzerne meldeten, Gegenmassnahmen getroffen zu haben und deshalb nicht betroffen zu sein. Peter E. Fischer, Präsident der Swiss Internet Security Alliance und Informatikdozent an der Hochschule Luzern, ist beeindruckt von der Grösse des Angriffs: «Das ist eine völlig neue Dimension.» Schuld daran sei vor allem veraltete Software, die nicht mehr unterstützt wird. Ein Beispiel dafür sei das Betriebs­system Windows XP.

Microsoft nahm bereits Stellung zum Angriff – der Hersteller will die Schuld daran nicht alleine tragen. Die Regierungen hätten die Sicherheitslücken gekannt und nicht gemeldet, heisst es in einem Blogeintrag.3

«Das ist eine völlig neue Dimension.»

Peter E. Fischer

Präsident Swiss Internet Security Alliance


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