Kommentar

Scheinheiliger Aufschrei

07. Oktober 2017, 00:00

Im Profisport wird gern mit harten Bandagen gekämpft. Doch besonders erbittert wird der Kampf um Sekundenbruchteile in der Formel 1 geführt. Kein Schlupfloch im umfang­reichen Regelwerk ist zu klein, um nicht von einem Rennstall benutzt zu werden.

Mit der Verpflichtung von Marcin Budkowski, beim Internationalen Automobil-Verband FIA verantwortlich für Technikfragen in der Königsklasse, hat Renault aber einen auch für die Formel 1 veritablen Coup gelandet. Der ausserhalb der Rennsportszene unbekannte Experte hat in seiner aktuellen Funktion Einblick in die intimsten technischen Pläne aller Formel-1-Teams. Sein Wissen über die geplanten Entwicklungen der Rennställe ist entsprechend gross. Mindestens so gross wie der Aufschrei über den Seitenwechsel des Polen bei Renaults Konkurrenz.

Doch so laut er auch sein mag: Der Aufschrei ist auch scheinheilig. Wohl jedes andere Team hätte sich diese Verpflichtung überlegt, wäre es nur auf die Idee gekommen. Und illegal ist die Verpflichtung ebenfalls nicht. Budkowskis Vertrag mit der FIA sieht bei einem Stellenwechsel lediglich eine drei­monatige Arbeitssperre vor.

Für die Zusammenarbeit zwischen FIA und den Teams ist der Wechsel dennoch problematisch. Das Vertrauens­verhältnis dürfte gestört sein, die Zusammenarbeit zwischen der Aufsichtsbehörde und den Teams schwieriger werden. Deshalb muss die FIA solch schnelle Seitenwechsel mit einer längeren Sperre belegen. Sonst nimmt ihr Aushängeschild Formel 1 Schaden. Und dies, nachdem sich diese eben erst von einer längeren Krise zu erholen scheint.

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch


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