Kommentar

Sensibilisiert

12. August 2017, 00:00

Die Verunsicherung am europäischen Frühstückstisch ist gross: Der Eierskandal, der die EU überzieht, irritiert angesichts seiner Entstehung ebenso wie bezüglich seiner Ausmasse. Bis in die Regale hiesiger Detailhändler strahlen die unappetitlichen Hühnerstall-Geschichten aus.

Einmal mehr erfasst uns ungläubiges Staunen darüber, dass in diesen scheinbar aufgeklärten Zeiten Lebensmittel­skandale dieser Art unbeteiligte saubere Produzenten ebenso wie gutgläubige Konsumenten durchschütteln. Gewiss, das Eiergeschäft ist ein Massen- und ein Rappenmarkt. Das ist jedoch keine Legitimation für den Einsatz von unerlaubten Stallreinigungsmitteln.

Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die Entwicklung in der Schweiz zeigt: Bio- und Freilandeier laufen Eiern aus Bodenhaltung zunehmend den Rang ab. Das belegt erstens, dass das Bewusstsein für die artgerechte Haltung wächst. Und zweitens, dass der um rund einen Drittel höhere Preis bezahlt wird.

Auch wenn die schweizerischen Verhältnisse in dieser Hinsicht nicht eins zu eins auf die europäischen Dimensionen umgelegt werden können: Das ist der Weg, den die zunehmend sensibilisierte EU im Hinterkopf haben muss. Es bringt nichts, auf dem Höhepunkt eines Skandals drastisch dreinzufahren, um nach dem Verschwinden der Schlagzeilen zum Courant normal zurückzukehren.

Gut zu wissen: Das Gedächtnis mündiger Konsumenten ist heute besser entwickelt als früher – und der Griff ins Portemonnaie nicht zuletzt eine Frage des Vertrauens. Das wissen Produzenten, die Ordnung in ihren Ställen haben und ihre Tiere einwandfrei halten, hierzulande sehr genau.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch


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