Kommentar

Vertrauen auf eigene Stärken

11. September 2017, 00:00

Wie kann sich die Schweiz in einer globalisierten Welt behaupten? Zwei Berner «Asphaltrocker» haben uns gestern auf diese Frage eine gute Antwort geliefert. Dominique Aegerter gewann vor Tom Lüthi den GP von San Marino. Ein Doppelsieg in einer der kapitalintensivsten und gefährlichsten Sportarten der Welt. Obwohl Schweizer von Haus aus keine Vorteile mitbringen. Sie haben nicht einmal eine Rennstrecke im eigenen Land. Und doch setzen sie sich immer wieder durch. Weil sie mit Mut, Schlauheit und Beharrlichkeit Wege finden. Über die Landesgrenzen hinaus.

Dominique Aegerter fährt für ein deutsches Team, sein Töff wird in der Schweiz gebaut, und der wichtigste Sponsor ist eine schwedische Firma mit einem Büro in der Schweiz. Tom Lüthis wichtigster persönlicher Geld­geber ist ein österreichischer Sportwettenanbieter, sein Cheftechniker kommt aus Frankreich, der Chefmechaniker aus Deutschland, sein Renn­team hat den Sitz in Frankreich, und seine Höllenmaschine wird in Deutschland fabriziert.

In der Art sind Tom Lüthi, der Bauernbub aus Linden, am oberen und Dominique Aegerter, der Garagistensohn aus Rohrbach, am unteren Rand des Emmentals durch und durch eidgenössisch-bodenständig. Bei der Ausübung ihres Berufes hingegen international bestens vernetzte Kosmopoliten. Eine eigene, unverwechselbare Identität bewahren, auf die eigenen Stärken vertrauen und stolz sein, dabei über alle ­Grenzen und Mentalitäten offen und neugierig bleiben – dieses Erfolgsrezept unserer «Asphaltcowboys» taugt nicht nur für den Motorradrennsport. Es lässt sich auf Politik, Wirtschaft und Kultur übertragen.

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch


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