Kommentar

Welcome, Mr. President

11. Januar 2018, 00:00

Die Nachricht hat in der Schweiz eingeschlagen wie eine der Twitter-Bomben von Donald Trump: Der US-Präsident will Ende Januar am WEF in Davos teilnehmen. Umgehend haben Weltverbesserer verbale Barrikaden errichtet. «Sie sind nicht willkommen», schrieben die Jungsozialisten dem «sexistischen und rassistischen Trottel». Der Schwarze Block ruft auf zu Demonstra­tionen gegen das WEF und Trump, für eine Petition gegen Trumps Besuch werden Unterschriften gesammelt.

Solche Verunglimpfungen des US-Präsidenten sind jedoch nichts anderes als billiger Populismus – seine Kritiker üben sich ironischerweise in jener Disziplin, in der Trump ein Meister ist. Natürlich ist der US-Präsident ein unbequemer Gast, der an der Weltordnung rüttelt, wo es ihm gerade gefällt. Sein Geschwätz von «America first» etwa steht genau für das Gegenteil der offenen Grenzen und globalen Denkweise, für die das Treffen in Davos steht.

Aber Gesprächsverweigerung würde nicht zur besseren Lösung der Probleme dieser Zeit beitragen. Im Gegenteil: Politiker und Wirtschaftschefs sollten Trump ganz genau zuhören. Und versuchen, ihm ihre Sichtweise näherzubringen. Denn Trump ist das gewählte Regierungs- und Staatsoberhaupt einer wirtschaftlichen und militärischen Supermacht. Es wäre ein grober Fehler, den Mann zu verteufeln und zu unterschätzen. Sein Wort hat kraft seines Amtes Gewicht, auch für jene, denen das nicht passt. Kein Wunder, hat Bundespräsident Alain Berset sofort Interesse an einem Treffen bekundet. Für die Schweiz ist es eine Chance, wenn sich ein US-Präsident hier blicken lässt. Darum: Welcome, Mr. President!

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch


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