Kommentar

Zu Lasten des Tierwohls?

10. November 2017, 00:00

Den Verdacht gab es schon lange, jetzt ist es amtlich: Die Kantone nehmen es mit der Durchsetzung des Tierschutzgesetzes nicht so genau. 15 von 26 Kantonen erfüllen zum Beispiel die Bundes­vorschrift über unangemeldete Kontrollen bei Tierhaltern nicht. Einige haben nicht genug oder nicht das richtige Personal, in einigen stehen die politisch Verantwortlichen auf der Bremse, oft ist es eine Mischung solcher Gründe. Überraschen tut das nicht. In der födera­listisch organisierten Eidgenossenschaft kann der Bund Gesetze erlassen, so viele er will, zuständig für die konkrete Umsetzung sind jedoch meist die Kantone. Geht dieser Föderalismus zu Lasten des Tierwohls?

Kurzfristig mag das in einigen Kantonen so sein, zumal in kleinen politischen Strukturen Kontrolleure und Kontrollierte einander oft zu nahe stehen. Auf Dauer jedoch dürften auch beim Tierschutz die Vorteile des Föderalismus überwiegen. Je näher der Staat den Menschen ist, desto mehr werden diese als Bürger und nicht als Untertanen behandelt. So wird unter dem Strich besser akzeptiert, was der Staat unternimmt, das politische System ist sta­biler, die Resultate sind lang­fristig besser. Wie in jedem anderen politischen System sind aber auch hierzulande Bürger, Ver­eine und Medien gefordert, Missstände ans Licht zu bringen. So geschehen im Fall Hefenhofen.

Wichtig ist, dass der Staat nun nicht überreagiert. Die Bauern sind nicht unter Generalverdacht zu stellen. Auch braucht es in den meisten Kantonen nicht mehr, sondern gezieltere Kontrollen dort, wo das Risiko am höchsten ist. Bei welchen Tierhaltern das nötig ist, wissen die Kantone am besten.

Fabian Fellmann

fabian.fellmann@luzernerzeitung.ch


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