2018 soll Kurtaxen-Bastille fallen

ÜBERNACHTUNGEN ⋅ Aufs neue Jahr hin will die Tourismusregion Willisau-Wiggertal eine Kurtaxe einführen – als letzte im Kanton. Ob es dazu kommt, entscheiden 17 Gemeinden an der Budgetversammlung.
09. Oktober 2017, 00:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Im Geschäft mit den Touristen ist die Region Willisau-Wiggertal bislang ein weisser Fleck. Nicht, weil es am Angebot fehlen würde. Im Gegenteil. Alleine 14 Hotels gibts hier – doch für keine einzige Übernachtung wurde bisher eine Kurtaxe erhoben. Ein Unikum im Kanton Luzern. Dieses soll 2018 verschwinden: Geplant ist, eine Kurtaxe von einem Franken und eine örtliche Beherbergungsabgabe von 50 Rappen zu erheben. Zusätzlich zu den 50 Rappen für die kantonale Beherbergungsabgabe (siehe Kasten und Tabelle). «Im letzten Jahr zählte unsere Region 26000 Logiernächte. Führen wir eine Kurtaxe ein, kommt da eine stattliche Summe zusammen», sagt Guido Iten, Präsident des Tourismusvereins Pro Region Willisau-Wiggertal.

Stattlich wird auch der Mehraufwand sein, der im ersten Jahr anfallen dürfte. Denn: Auch Gäste in Ferienwohnungen oder Bed & Breakfasts – der sogenannten Parahotellerie – sollen Kurtaxen und Beherbergungsabgaben entrichten. Insgesamt rechnet Corinne Müller, Geschäftsführerin von Willisau Tourismus, daher mit Einnahmen von 80000 Franken. «Das Einführen dieser Abgaben ist eine wichtige Massnahme, um die Tourismusorganisation und damit ein professionelles Marketing sowie touristische Dienstleistungen und Einrichtungen langfristig sichern zu können», sagt sie. Denn der Spardruck des Kantons führe auch hier zu Einschnitten: Heute steuert dieser gemäss Leistungsvereinbarung 30000 Franken als Grundbeitrag plus zusätzliche Mittel für Marketingaktivitäten bei. 2015 betrug der Grundbeitrag noch 53000 Franken.

«Solidaritätsgedanke wird strapaziert»

Die Einführung der Kurtaxe ist keine neue Idee: Diese Absicht verfolgte der Tourismusverein bereits 2010 – scheiterte allerdings kläglich. «Damals war der Tenor vernichtend», sagt Iten. «Die Mehrheit hielt eine Abgabe schlicht für überflüssig.» Inzwischen habe der Wind gedreht. Wohl auch, weil dank der neuen Einnahmen die Pro-Kopf-Beiträge der Gemeinden bei 4 Franken belassen werden sollen. Doch: «Eine Kurtaxe macht nur Sinn, wenn man sie flächendeckend einführt. Daher hoffe ich auf die Solidarität aller Gemeinden», sagt Iten. Diese würden letztlich auch profitieren: Die Hälfte der Kurtaxen-Einnahmen soll wieder in die Kommunen zurückfliessen.

Das letzte Wort haben nun die Stimmbürger an den Budgetversammlungen. 17 von 19 Gemeinden, die der Tourismusregion angehören, haben das Geschäft traktandiert. Dagmersellen und Zell hingegen scheren aus: Sie sprachen sich in der Vernehmlassung gegen die Kurtaxe aus.

Gerade die Logiernächte in Dagmersellen könnten einschenken – würde dort eine Kurtaxe erhoben: Denn die Gemeinde verfügt alleine mit dem Apart-Hotel Wiggertal (24 Zimmer), den drei Gasthöfen (36) und dem Bildungszentrum des Plattenverbands (34) über zahlreiche Betten. Doch Gemeindepräsident Philipp Bucher sagt: «Dagmersellen leistet mit den Pro-Kopf-Beiträgen bereits rund 21000 Franken an den Tourismusverein. Angesichts dieser Summe wird der Solidaritätsgedanke mit der Einführung der Kurtaxe strapaziert.» Diese sei eine Abgeltung für das touristische Angebot. «In unserer Gemeinde aber logieren Berufsleute, welche diese Infrastruktur gar nicht nutzen. Die Kurtaxe verteuert am Ende bloss die Übernachtung.» Eine Argumentation, die Corinne Müller von Willisau Tourismus nicht gelten lässt. «Auch jene Gäste bleiben teils übers Wochenende in der Region und nutzen unsere Wanderwege, Grillstellen oder Ausflugsinformationen.» Die Einnahmen aus der Kurtaxe böten einen Mehrwert. Der Gemeindepräsident von Zell war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«Kurtaxe generiert Geld von Gästen für Gäste»

Gerade weil das Geld ins touristische Angebot fliesst, spricht sich auch Eveline Bossert Meier für die Kurtaxe aus. Sie leitet das Bed&Breakfast-Hotel Peter und Paul mit 60 Betten in Willisau und ist Vorstandsmitglied im Tourismusverein: «Das Erheben einer Kurtaxe ist ein funktionierendes System, das Geld generiert. Von Gästen für Gäste», sagt sie. «Diese finanziellen Ressourcen bieten Raum für neue Ideen, legen beispielsweise den Grundstein für eine Gästekarte oder ÖV-Verbilligungen.» Wie Iten und Müller geht auch Bossert davon aus, dass die Region dadurch nichts von ihrer Attraktivität einbüssen wird. «Schliesslich ist die Kurtaxe andernorts längst gang und gäbe.»

Nun bleibt abzuwarten, wie die Gemeinden entscheiden. «So oder so hat der Vorstand aber beschlossen, das Projekt nun durchzuziehen», sagt Iten vom Tourismusverein Pro Region Willisau-Wiggertal. Vorstandsmitglied Eveline Bossert pflichtet bei: «Es wäre falsch, nun wegen einzelnen Absagen die Flinte ins Korn zu werfen. Langfristig werden wir bestimmt gemeinsam eine Lösung finden», gibt sie ihrer Überzeugung Ausdruck.


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