Anwalt will das Kurhaus kaufen

FLÜHLI ⋅ Der bekannte Luzerner Anwalt und Immobilienbesitzer Jost Schumacher hat für den Traditionsbetrieb ein Kaufangebot eingereicht. Und dies nicht zum ersten Mal.

20. März 2017, 00:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

«Die Lösung, die sich jetzt abzeichnet, wäre für die Gemeinde sehr gut.» Noch Anfang Monat gab sich Gemeindepräsidentin Sabine Wermelinger bedeckt über den möglichen Käufer des Kurhauses in Flühli. Nun ist klar: Die Favoritenrolle hat Jost Schumacher inne, der umtriebige Anwalt, Immobilienbesitzer und Kunstmäzen aus Luzern. Zuletzt engagierte er sich für die Rettung der Salle Modulable. Auf eigene Kosten liess er auch Kopien von Kapellbrückenbildern anfertigen. «Ich bin stark historisch interessiert. Daher würde ich dieses Jugendstil-Hotel gerne übernehmen», bestätigt Schumacher die Recherchen unserer Zeitung.

Doch welche Pläne hegt er mit dem Kurhaus? «Ich bin kein Immobilienmogul. Wenn ich etwas kaufe, behalte ich es im Normalfall auch.» Geht es nach Schumacher, soll das Haus weiterhin eine Gaststube für Einheimische bieten. «Ein Teil könnte als Gourmetlokal betrieben werden.» Zugleich will er unter dem Dach eine Ausstellung über die einstige Flühli-Glas-Produktion einrichten. Denn bis 1869 gab es in der Gemeinde mehrere Glasbläse­reien. «Ich möchte ein Stück Tradition erhalten, in engster Zusammenarbeit mit der Gemeinde.»

Auch Inder und Chinesen zeigen Interesse

Der heutige Besitzer René Peter will das Kurhaus verkaufen, weil er in Pension gehen will. Er bestätigt das Kaufangebot von Schumacher. «Die Verhandlungen laufen.» Interesse an einem Kurhotel habe auch die deutsche Gesundheitszentrum AG Quantisana geäussert sowie Chinesen und Inder, die Touristengruppen zwischen Jungfrau-Besuch und Titlis-Schnappschuss in Flühli unterbringen wollten. «Von der Idee, das Kurhaus in ausländische Hände zu übergeben, war die Gemeinde aber nicht begeistert.» Dies bestätigt Gemeindepräsidentin Sabine Wermelinger: «Das Kurhaus ist ein markantes Gebäude, das Herzstück von Flühli. Der Besitzer muss zum Haus und zur Bevölkerung passen. Jost Schumacher ist ein Liebhaber solcher Objekte, sein Konzept würde sehr gut für uns stimmen.» Die Idee, die Geschichte vom Flühli-Glas ins Kurhaus zu integrieren, überzeuge. «Der Gemeinderat hofft, dass bald eine Lösung gefunden wird und Ruhe einkehrt», sagt Wermelinger. Da Gemeinde und Vereine zur Nutzung des Saals berechtigt seien, sei es wichtig, zu wissen, was mit dem Haus passiere. «Der Gemeinderat ging persönlich auf Jost Schumacher zu.» Dieser hatte mindestens schon einmal Interesse gezeigt: 2013, als René Peter mit 920000 Franken den Zuschlag erhielt.

Streitpunkt ist ein Stück Land

Der Preis scheint auch jetzt wieder das Zünglein an der Waage zu spielen: Laut René Peter liegen Kaufofferten zwischen 1,5 und 3,3 Millionen Franken vor. «Von Schumacher stammt erstere. Zugleich möchte er noch 1000 Quadratmeter Land im Wert von einer Viertelmillion gratis dazu. Diesen Deal kann ich nicht eingehen.» Schliesslich müsse er rund 60000 Franken an Grundstückgewinnsteuern abliefern und habe investiert: 70000 Franken in den neuen Lift, 65000 in die Brandmeldeanlage und rund 300000 in den Ausbau des zweiten Stocks. «Mit 1,5 Millionen hätte ich zwar nichts verloren, aber auch nichts verdient.» Mit dem Verkauf will er vorwärtsmachen. «Bis Ende März steht der Besitzer fest.»

Heute betreibt Pächter Krzysztof Bobulski das Traditionshaus mit 30 Hotelbetten. Der Pole hat den Betrieb im Januar 2016 übernommen. Doch ihm wurde der Vertrag gekündigt. Mittels Fristerstreckung dürfte das Kurhaus bis Ende Oktober unter seiner Leitung bleiben. Parallel dazu will Bobulski neu das Hotel Zellfeld in Schenkon führen (Ausgaben vom 2. und 10.März).

«Ich möchte ein Stück Tradition erhalten.»

Jost Schumacher

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