Die «nachhaltige» Interpretation steht im Zentrum

MURI ⋅ Die Jugendmusik Muri spielte ein bewegendes Jahreskonzert. Der musikalische Leiter Karl Herzog beschreitet damit den Einstieg in sein 16. Jahr mit Musik Muri – und schon hat er wieder Pläne für den Frühling.

21. März 2017, 00:00

«Perfektionismus ist nicht mein Ziel bei dieser Arbeit.» Karl Herzog ist seit 15 Jahren Dirigent und musikalischer Leiter der Musik Muri, dessen Jugendmusik letzten Sonntag ihr Jahreskonzert im alten Festsaal aufführte. Vielmehr gehe es ihm darum, Stücke «nachhaltig» zu interpretieren. Zum Beispiel wählt Herzog seine Literatur nicht in erster Linie danach aus, ob die Stücke den Musikern Spass machen. «Ich arbeite gerne mit Stücken, die meine Musiker von Anfang an herausfordern. Freude kommt durch Arbeit. Dadurch, dass man auf einmal eine Passage meistert, die sich einem zuvor noch wiedersetzt hat.»

Das helfe auch bei der Nervosität beim Auftritt. Davon ist Herzog überzeugt. «Ich habe schon mit Erwachsenen gearbeitet, denen nach dem Auftritt vor lauter Nervosität das Instrument aus den Händen gefallen ist. In dieser Art wird der Auftritt zur Überforderung. Das dient weder dem Musiker noch der Musik.» Herzog legt deshalb schon von der ersten Probe an Wert darauf, einem solchen Erlebnis vorzubeugen. «Und heute habe ich wieder einmal einen Beweis dafür, dass es funktioniert», sagt er. Vor der Jugendmusik Muri spielte das jüngere Ensemble der Musikschule Muri+ seinen allerersten Auftritt. «Keines dieser Kinder war heute nervlich überfordert, obwohl ein Auftritt vor so vielen Leuten eine grosse Herausforderung ist.»

Eine ganz eigene Kreation

Das Konzert der Jugendmusik schlägt in seiner Stückwahl einen weiten Bogen. Klassische Blasmusik, Popsongs, Filmmusik. Die jungen Musiker lassen die Welten der einzelnen Stücke in lebendigen Klangfarben wieder auferstehen. Besonders Elias Vondenhoff kann sein Können unter Beweis stellen. Beim Stück «Bariton Boogie» spielt er am Eufonium die Solostimme. Mit dem samtig weichen Klang seines Instruments und seiner flinken Technik meistert er das Stück mit Bravour und erntet dafür wohlverdienten Applaus.

Das nächste grosse Projekt steht für Karl Herzog bereits vor der Tür. Am 20. und 21. Mai präsentiert er zusammen mit der Musik Muri ein eigens kreiertes Frühlingskonzert zu Tom Saw­yer und Huckleberry Finn. Unterstützt wird das Ensemble dabei vom Schauspieler und Sprecher Peter Fischli aus Bremgarten. Fischli hat zehn Textstellen aus Mark Twains Klassiker herausgelöst und erzählt damit die Geschichte der beiden Jungen. «Wir verweben Schauspiel und Musik zu einem Erlebnis.» Die Musik dazu – die «Huckleberry Finn Suite» und die «Tom Sawyer Suite» – hat der Tessiner Komponist Franco Cesarini eigens für dieses Projekt geschrieben. «Das wird etwas Einmaliges», meint Herzog.

Das Soziale im Ensemble

Mit dem Stück «Glacier Express» von Larry Neeck erreicht das Konzert der Jugendmusik Muri seinen technischen Höhepunkt. Das Stück ist durch sein abwechslungsreiches Arrangement vor allem deswegen schwierig, weil der immer wiederkehrende Auf- und Abbau des vollen Orchesterklangs für viele Musiker zu langen Pausen führt. «Pausen sind oft schwieriger zu spielen, als wenn man ständig etwas zu tun hat und bei der Sache bleiben muss.» Und so gibt es auch einen kurzen Moment, in dem einige Bläserstimmen aus der Reihe tanzen. Die Unsicherheit steckt andere an, und für einen Wimpernschlag droht der Klangkörper des jungen Orchesters in sich zusammenzufallen. «In solchen Momenten verliere ich das Vertrauen nicht mehr. Ich weis, dass meine Musiker wieder zusammenfinden. Wer kurz unsicher ist, sucht Kontakt in der Gruppe. Und diese Kontakte kennen sie bereits aus den Proben. Das Soziale im Ensemble ist für mich einer der spannendsten Aspekte dieser Arbeit.» So ist es auch dieses Mal. Das Ensemble übersteht die kurze Krise und findet wieder zusammen. Abbrechen musste Herzog ein Stück in seiner gesamten Karriere bisher erst einmal. «Aber das ist schon lange her», meint er. Die Musik Muri ist sich einig und schreibt in der Jahresbroschüre zum 15-Jahr-Jubiläum, Herzog verstehe es «ausgezeichnet, uns Musikerinnen und Musiker immer wieder neu zu begeistern und uns zu musikalischen Erfolgen zu leiten».

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch


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