Diese Region ist ein Automagnet

STATISTIK ⋅ Die Gemeinden rund um den Sempachersee boomen – auch was die Anzahl Autos pro Einwohner anbelangt. Überraschungen gibt’s beim Blick auf die Statistik abgelegener Gebiete.

17. März 2017, 00:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Würde man Autobestand und Bevölkerung des Kantons Luzern zwei Fahrzeugen gleichsetzen, wäre Ersteres klar auf der Überholspur: Zwischen 2000 und 2015 nahm die Anzahl Autos um 35,5Prozent zu. Die Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum um 20,4Prozent. 2016 waren 213061 Autos eingelöst (siehe Grafik), 6734 Führerscheine wurden ausgestellt. 2005 zählte man 168848 Autos und 7040 Neulenker.

Wie ein Blick in die aktuellsten Daten von Lustat Statistik Luzern zeigt (siehe Tabelle), geben zwei Regionen punkto Auto Vollgas: In den Gemeinden Sursee, Oberkirch, Nottwil, Sempach, Eich, Schenkon, Mauensee und Knutwil besass 2015 im Schnitt weit mehr als jeder Zweite ein Auto. 603 sind es pro 1000 Einwohner. Ähnlich sieht’s im Unteren Wiggertal aus: Auf 1000 Einwohner in Wauwil, Egolzwil, Nebikon, Altishofen, Dagmersellen, Reiden und Wikon kommen 600 Autos. Der Schnitt liegt bei 527.

Stadt-Land-Graben bei Motorisierungsgrad

Doch wie erklärt sich das überdurchschnittlich hohe Autovorkommen in der Region Sursee/Sempachersee? «Die Haushaltungen werden immer kleiner, dies kann ein Treiber sein», sagt Adrian Wüest, Geschäftsleitungsmitglied von Lustat, auf Anfrage. Generell lasse sich ein Stadt-Land-Graben ausmachen: Die Autodichte in der Stadt Luzern und der engeren Agglomeration ist deutlich tiefer als der Moto­risierungsgrad in den ländlichen Gebieten. Weniger Parkplätze, eine gute ÖV-Infrastruktur und kürzere Arbeits- und Einkaufswege können Gründe dafür sein.

Gemeinhin könnte man annehmen, gerade abgelegene Gebiete würden bezüglich der Fahrzeugdichte hervorstechen. Doch dies ist ein Irrtum: Den tiefsten Wert der ländlichen Gebiete weist ausgerechnet das Entlebuch aus. Hier seien die Haushaltungen grösser als im kantonalen Schnitt, ein Auto werde womöglich unter mehreren Lenkern ­geteilt. Auch die Altersstruktur könne eine Rolle spielen, sagt Wüest. So leben im Entlebuch überdurchschnittlich viele Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr: 17,6Prozent beträgt ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Höhere Werte gibt es nur im ­Agglomerationskern (18,7) und in der Stadt Luzern (19,4).

Eine vergleichsweise kleine Rolle spielen bislang ­Automiet- Angebote. Laut einer Lustat-Publikation beträgt der Anteil Führerscheinbesitzer mit Car-Sharing-Mitgliedschaft 3Prozent. Die Zahl stammt aus dem Jahr 2010 – die Resultate einer neuen Befragung erscheinen im Herbst. Der grösste Teil der Automieter lebt in der Stadt Luzern, hier ist das Standortnetz der Car-Sharing-Gesellschaften am dichtesten.

Gedrucktes Jahrbuch aus Spargründen abgeschafft

Die Auto-Statistik ist eine von vielen im gestern erschienenen Jahrbuch 2017 von Lustat Statistik Luzern. Erschien das Werk zuletzt in einer Auflage von 700 Exemplaren, erfolgte die Publikation heuer erstmals in rein elektronischer Form. Bereits zuvor habe Lustat verstärkt auf den digitalen Kanal gesetzt und Printprodukte abgelöst. «Der Verzicht auf das gedruckte Jahrbuch ist somit eine Weiterführung dieser Kommunikationsstrategie», sagt Adrian Wüest. Zugleich leiste der Druckverzicht einen Beitrag zu den nötigen Sparmassnahmen: rund 50000 Franken jährlich. Der Kanton kürzt seinen Beitrag an Lustat von 2017 bis 2020 jährlich um 193000 Franken, der Staatsbeitrag beträgt neu noch knapp 3,5 Millionen pro Jahr.

Das Jahrbuch umfasst 440 Seiten, 100 weniger als zuvor. Erklärt wird die Straffung mit Layoutanpassungen und Kürzungen. Dahinter stecke der Entscheid, sich auf die «thematischen Kernkompetenzen» zu konzentrieren. Daher wird teils auf Daten anderer Statistikstellen verwiesen.


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