Ebersecken sucht einen Partner

HINTERLAND ⋅ Auch die kürzlich beschlossene Steuererhöhung bringt keine Linderung der finanziellen Probleme. Nun soll der Gemeinderat eine Fusion prüfen.

02. Dezember 2016, 00:00

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch

Wie weiter mit Ebersecken? Dies wollte der Ebersecker Gemeinderat von der Bevölkerung wissen. Deshalb hat er am Dienstag zu einem Strategie-Workshop über die Zukunft der Gemeinde geladen, bei dem die Themen Entwicklungsstrategie, Fusionsabklärungen und finanzielle Herausforderungen diskutiert wurden. Rund 50 der 290 Stimmberechtigten sind dem Aufruf gefolgt und haben sich an der nicht öffentlichen Veranstaltung in einer Konsultativabstimmung grossmehrheitlich dafür ausgesprochen, eine Fusion zu prüfen. Dies teilte die Gemeinde gestern mit.

Die Option Altishofen (rund 1600 Einwohner) ist wohl die naheliegendste. Mit der Gemeinde verbindet Ebersecken (rund 400 Einwohner) bereits seit Jahrzehnten die gemeinsame Verwaltung.

«Es zerreisst mir fast das Herz»

Der Ebersecker Gemeindepräsident Thomas Roos bestätigt diese Tendenz und betont: «Wir sind noch ganz am Anfang eines langen Prozesses. Nun haben wir erst einmal den Auftrag der Bevölkerung erhalten, eine Fusion zu prüfen.» Klar sei: Eine Fusion müsse für beide Seiten stimmen. An einer nächsten Gemeinderatssitzung wird nun über das weitere Vorgehen beraten. Freude hatte Roos am grossen Aufmarsch der Bevölkerung – an der Gemeindeversammlung waren es lediglich 29: «Das zeigt, dass den Leuten die Zukunft der Gemeinde nicht egal ist.» Die Situation der Gemeinde sei aber auch für ihn nicht einfach, sagt Thomas Roos: «Es zerreisst mir fast das Herz.»

In Altishofen will man zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht gross spekulieren und gibt sich gelassen: «Wir warten nun erst einmal ab, was Ebersecken will», sagt Gemeindepräsident Urs Kaufmann. «Dann werden wir das im Gemeinderat anschauen.»

Anlass für den Ebersecker Workshop waren die düsteren finanziellen Aussichten: Für das kommende Jahr rechnet die Gemeinde mit einem Defizit von 285 000 Franken bei einem Gesamtaufwand von gut 2,6 Millionen. Und dies, obwohl an der ­Gemeindeversammlung vom 22. November eine Erhöhung des Steuerfusses von 2,3 auf 2,4 Einheiten beschlossen wurde (zum Vergleich: Altishofen hat ­einen Steuerfuss von 1,8 Einheiten).

Ein Blick auf den Finanz- und Aufgabenplan (FAP) für die Jahre 2017–2021 macht auch wenig Hoffnung: Die prognostizierten Defizite für die Jahre 2018 bis 2021 summieren sich auf gut 1,26 Millionen Franken. «Trotz geplanter, stufenweiser Steuererhöhung ab 2017 können keine positiven Ergebnisse erzielt werden», schrieb der Gemeinderat dazu in seiner Botschaft zur Gemeindeversammlung.

Keine Investitionen mehr ab 2018

Investitionen sind unter diesen Voraussetzungen kaum möglich: Lediglich 650 000 Franken sind bis 2021 vorgesehen. Investiert wird in die Gewässerverbauung (434 000 Franken) und im Bereich Verkehr (216 000 Franken). Ab dem Jahr 2018 steht im FAP hinter sämtlichen Bereichen eine Null – es sind keine Investitionsvorhaben vorgesehen. «Für eine kleine Gemeinde wie die unsere werden die Herausforderungen immer grösser», erklärt Gemeindepräsident Roos. «Auch scheinbar kleine Mehrausgaben haben für unser Budget grosse Auswirkungen.»

Ein Grund für die finanziellen Probleme Eberseckens sind die sinkenden Einwohnerzahlen, die auch zu weniger Steuereinnahmen führen. Ende 2015 zählte Ebersecken noch 401 Einwohner – 21 weniger als noch vor 15 Jahren (–5 Prozent). Letztmals zählte Ebersecken im Jahr 1988 so wenige Einwohner. «Wir befinden uns in der Zwickmühle», sagt Roos. «Wir können nicht einfach unbegrenzt Land einzonen, um Neuzuzüger anzulocken. Denn gemäss Richtplan des Kantons ist für unsere Gemeinde nur ein sehr geringes Wachstum vorgesehen.» Weniger Geld aus dem kantonalen Finanzausgleich, höhere Kosten im Pflegebereich und steigende Kosten im Sozialbereich sind weitere Gründe für die Defizite.


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