Eine Gemeinde ordnet sich neu

ABTWIL ⋅ Die Moderne Melioration nimmt langsam Gestalt an. Mit der Genehmigung des generellen Projektes durch den Regierungsrat ist eine weitere Hürde genommen.

19. Oktober 2016, 00:00

Mit der Gründung der Bodenverbesserungsgenossenschaft im Jahr 2009 haben sich die landwirtschaftlichen Grundeigentümer und die Gemeinde Abtwil eine umfassende Moderne Melioration vorgenommen. Der Zusatz «Modern» deshalb, weil auch der Landschafts- und Naturschutz wesentliche Bestandteile davon sind. Ein generelles Projekt wurde inzwischen ausgearbeitet und vom Regierungsrat genehmigt. Vor allem diese Phase der Bearbeitung durch die kantonalen Fachstellen nahm viel Zeit in Anspruch, was die Genossenschaftsmitglieder kritisieren. Sie streben eine rasche Umsetzung des Projekts an und bemühen sich sehr um einen Konsens. «Die Bodenbewertung erfolgte ohne jegliche Einsprache», berichtet der technische Leiter Robert Wernli. «Das ist wirklich aussergewöhnlich.»

Effizientere Bewirtschaftung

Ziel der modernen Melioration ist es, die stark zerstückelten, rund 400 Parzellen neu zu bewerten und zu arrondieren, um den knapp 30 Eigentümern deren Bewirtschaftung zu erleichtern. «Ich habe früher fast 50 kleine Parzellen bewirtschaftet, die teilweise weit auseinanderlagen», erzählt Landwirt Thomas Rüttimann. Inzwischen konnte er durch den Abtausch von Parzellen mit anderen Grundstücksbesitzern unabhängig vom Meliorationsprojekt seine Situation bereits etwas verbessern. Nach der Umsetzung jedoch wird er eine kleine Anzahl wesentlich grösserer Flächen bewirtschaften und dadurch effizienter arbeiten können. Die Melioration beinhaltet aber nicht nur die Neuordnung der Parzellen, sondern es entstehen auch ökologische Flächen, die Bäche werden an verschiedenen Stellen geöffnet, die Flurwege ausgebessert sowie teilweise aus- oder neu gebaut, um die Erschliessung der arrondierten Parzellen zu gewährleisten. «Die Kosten wurden anfänglich auf 3,3 Millionen Franken geschätzt», berichtet Gemeindeammann Stefan Balmer. «Inzwischen hat sich die Summe verdoppelt. Jedoch konnte nun auch der vom Bund geforderte Hochwasserschutz integriert werden.» Dies ist ein wesentlicher Vorteil für die Finanzen der Gemeinde, denn als Teil der Melioration wird der Hochwasserschutz von Bund und Kanton zu einem höheren Prozentsatz mitfinanziert, als wenn er als eigenständiges Projekt realisiert werden müsste. Dasselbe gilt für den Unterhalt und Bau von Gemeinde- und Flurstrassen. Diesbezüglich sollten in den nächsten 20 Jahren keine weiteren Verpflichtungen mehr auf die Gemeinde zukommen. «Mit diesem Projekt bekommen wir einen klaren Mehrwert. Das ist eine gute Investition in die Zukunft.»

Zwei ökologische Gebiete

Das generelle Konzept sieht zwei ausgedehnte ökologische Flächen vor. Das Abtwiler Moos an der südlichen Gemeindegrenze wird renaturiert. «Das ist eine schlecht zu bewirtschaftende Moorfläche, die jedoch vielen Tieren Lebensraum bietet», erklärt Wernli. Auf der Westseite wird die gesamte Waldlichtung «Ischlag» in eine Streuwiese umgewandelt. «Zusätzlich entstehen im ganzen Gemeindegebiet Ökoelemente für Wildtiere in Form von Stein- oder Asthaufen, Hecken, Baumgruppen oder Solitären.» Im nächsten halben Jahr wird Wernli gemeinsam mit den Bauern festlegen, wo diese geschaffen werden sollen.

Das generelle Projekt wird nach Abhandlung einer hängigen Einsprache voraussichtlich noch in diesem Jahr dem Bund zur Genehmigung und Festlegung des Beitragssatzes vorgelegt. «Danach können wir mit der Umsetzung der Neuzuteilung und des Kulturlandplanes beginnen», so Wernli. Einen Zeithorizont festzulegen, ist jedoch schwierig. «Es kann gut noch fünf Jahre dauern, bis das Projekt abgeschlossen ist», vermutet Balmer. «Für Bevölkerung und Genossenschafter ist die lange Wartezeit schwer nachvollziehbar. Seit 2009 sind wir an der Arbeit, trotzdem sieht man noch sehr wenig. Aber einmal umgesetzt, werden alle Bürger Abtwils von diesem Projekt profitieren können.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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