Für Kanton geht die Rechnung auf

Ausbildung Seit der Einführung des neuen Stipendiengesetzes erhalten immer weniger Studenten Unterstützung. Trotzdem sind staatliche und private Darlehen kaum gefragt.

14. Oktober 2016, 00:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Weniger Personen erhalten für ihr Studium oder ihre Weiterbildung im Beruf oder auf der Sekundarstufe II ein Stipendium. Dafür werden an die Bezüger höhere Beiträge ausbezahlt. Diese «positive Bilanz» zieht der Kanton Luzern über die Umsetzung des neuen Stipendiengesetzes, über das die Bürger im Mai 2014 abgestimmt haben und das im darauffolgenden Herbst in Kraft trat. Die nun abgeschlossene Evaluation zeigt, dass durch das neue Gesetz insbesondere einkommensschwache Haushalte profitiert haben. Denn die Bezüger erhielten durchschnittlich neu 7000 Franken pro Jahr – vor der Gesetzesänderung waren es noch 5200 Franken. Gleichzeitig haben rund 400 Personen weniger ein Stipendium erhalten: Letztes Jahr waren es noch rund 1400 Studenten.

Insgesamt hat der Kanton Luzern im letzten Jahr 10 Millionen Franken an Stipendien ausbezahlt. Damit wurden die maximal zur Verfügung gestellten Mittel von 10,5 Millionen Franken nicht überschritten. Dennoch will die Regierung diese jährlich Summe aus Spargründen um 0,8 Millionen Franken kürzen – obwohl sie noch bei der Abstimmung 2014 versicherte, dass diese Gelder unangetastet bleiben (Ausgabe vom 26. September). «Damit wird sich die Zahl der anspruchsberechtigten Personen voraussichtlich in einem geringen Masse verringern», sagt Christoph Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, auf Anfrage.

Nur jeder Dritte löst Darlehen auch ein

Da weniger Studenten ein Stipendium erhalten haben, hätten mehr Darlehen ausbezahlt werden sollen. Dies geschah allerdings nicht im erwarteten Ausmass. So wurden rund 1,5 Millionen Franken an Dar­lehen ausbezahlt. Dies ist zwar über 50 Prozent mehr als noch in den Jahren vor der Reform, der Anstieg hätte jedoch höher ausfallen sollen. Denn nach wie vor hat bislang nur gut jeder dritte Student das ihm bewilligte Geld auch tatsächlich bezogen. Das hat seinen Grund, denn wer seine Ausbildung mitfinanziert haben möchte, hat neben dem Stipendium auch Anrecht auf ein Darlehen. Letzteres muss innert zehn Jahren nach Abschluss der Ausbildung vollständig zurückbezahlt werden. Deshalb lehnen wohl gut zwei Drittel aller Gesuchsteller das ihnen gewährte Darlehen ab – und möchten lieber bloss den Anteil des kostenlosen Stipendiums beziehen.

Das Beziehen der Darlehen soll nicht forciert werden, wie Christoph Spöring erklärt: «Der Kanton hat nicht das Ziel, möglichst viele Darlehen zu geben, sondern, dass niemand eine Ausbildung mangels Finanzierung nicht antritt.» Im Prinzip sei es sogar eine gute Nachricht, dass weniger Darlehen bezogen wurden. Denn das würde heissen, dass andere Finanzierungsmöglichkeiten gefunden wurden. «Der Staat soll hier subsidiär einspringen», so Spöring.

Entsprechend zufrieden ist der Dienststellenleiter auch mit der Entwicklung der Anzahl Personen, die schliesslich ein Darlehen bezogen haben. Sie ist erwartungsgemäss rückläufig: 2013 hatten 308 Personen ein Darlehen erhalten, letztes Jahr waren es noch 222. Wie die Evaluation nun weiter zeigt, erhielten diese Bezüger im Durchschnitt höhere Beiträge als noch vor der Gesetzesänderung. Anstatt 2900 Franken sind es neu durchschnittlich 6300 Franken.

Gratisberatung kaum beansprucht

Das neue Stipendiengesetz hat aber auch seine Tücken: Wie erwähnt ermöglicht es weniger Personen den Zugang zu finanzieller Unterstützung durch die öffent­liche Hand. Dafür wollte die Regierung den Zugang zu privaten Stipendien und Darlehen fördern, etwa durch die kostenlose Beratung der Stiftung Educa Swiss. Die Experten sollten den Studenten helfen, die eigenen Finanzen zu optimieren und allenfalls ein privates Darlehen zu erhalten. Die dafür abgegebenen Gutscheine wurden allerdings nur von 28 Personen eingelöst. Drei davon konnten bis dato ihren Bedarf mit einem Darlehen decken. Wegen der geringen Nachfrage hat der Kanton Luzern die Leistungsvereinbarung mit der gemeinnützigen Stiftung nicht mehr verlängert.

Christoph Spöring weist derweil auf das Angebot des Kantons hin (siehe Hinweis). Mit einem Stipendienberechner können Studenten selber abschätzen, ob es sich überhaupt lohnt, ein Gesuch zu stellen. Mehr als die Hälfte der bisher vergebenen Stipendien gingen beispielsweise an Personen in Ausbildung, deren Eltern ein steuerbares Einkommen von unter 30000 Franken auswiesen.

Hinweis

Gesuche für Stipendien und Darlehen können unter www.stipendien.lu.ch eingereicht werden.


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