Analyse

Fusion ist Geschichte – Chance für Zweckehe bleibt

19. Oktober 2016, 00:00

Auf der politischen Bühne am Santenberg wird derzeit eine Liebesgeschichte aufgeführt, die kein Happy End kennt: In Wauwil und Egolzwil hat das überparteiliche und gemeindeübergreifende Komitee «Demokratie am Santenberg» seine Initiative zurückgezogen. Mit dieser hatten 330 Stimmbürger in Wauwil und deren 421 in Egolzwil gefordert, dass die Fusionsverhandlungen der beiden Gemeinden weitergeführt werden und die Vorlage bis Ende 2017 zur Abstimmung kommt (Ausgabe von gestern).

Der Wauwiler Gemeinderat stellte sich auf den Standpunkt, dieser Fahrplan sei zeitlich unrealistisch und beantragte den Bürgern «einstimmig», die Initiative abzulehnen. Zu Recht entlarvt das Komitee diesen Ablehnungsgrund in einer Mitteilung als fadenscheiniges Argument. Hätte sich der Gemeinderat konstruktiv des Begehrens annehmen wollen, hätte er eine Fristverlängerung beantragen können. Hinzu kommt: Die Fusionsverhandlungen waren bereits weit vorangeschritten. Noch im Sommer 2015 war vorgesehen, im Frühling 2016 Urnenabstimmungen durchzuführen und – bei einer beidseitigen Liebesbezeugung – die Fusion per 1. Januar 2017 in Kraft zu setzen.

Es war vor einem Jahr die Wauwiler Behörde, welche die Hochzeit platzen liess. Und es ist nun erneut Wauwil, das als Totengräber der Initiative auftritt. Gescheitert ist eine erste Fusion der beiden Gemeinden zwar bereits 2006 – damals allerdings demokratisch legitimiert: Egolzwiler Stimmbürger hatten den «heiratswilligen» Wauwilern an der Urne einen Korb gegeben. Eine solche Abstimmung wurde nun im zweiten Anlauf von Beginn weg verunmöglicht. Ob der Gang zum Traualtar mit einem Ringtausch geendet hätte, bleibt freilich ungewiss.

Optisch sind Egolzwil (1400 Einwohner) und Wauwil (2000 Einwohner) längst zusammengewachsen. Auch steuerlich steht man nahe beieinander: In Wauwil liegt der Steuerfuss bei 2,15 Einheiten, in Egolzwil sind es 2,1 – heuer mit einem Steuerzehntel Rabatt. Viele Bürger blicken schon heute über den politischen Gartenhag hinaus. Bereits 1882 entstand die gemeinsame Pfarrei. Wauwiler Gläubige besuchen den Gottesdienst ebenso unbekümmert in der Pfarrkirche auf Egolzwiler Boden, wie die dortigen Schüler für die Sek ins Nachbardorf pilgern. Maler, Bäcker und Banker beider Dörfer haben sich im Gewerbeverein Wauwil-Egolzwil zusammengeschlossen. Gründungsjahr 1990. Seit 2000 gibts am Santenberg nur noch eine Feuerwehr. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Fest steht: Ob in der Jungwacht oder bei den Samaritern – im Alltag sind Gemeindegrenzen kein Thema.

Eine Rolle spielen sie allerdings in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Aufgabe, gesunde Gemeindefinanzen zu präsentieren, dürfte angesichts millionenschwerer kantonaler Sparpakete nicht einfacher werden. Den Nutzen von gemeindeübergreifender Zusammenarbeit unterstreicht der Regierungsrat im «Konsolidierungsprogramm 17», kurz KP 17. Im Planungs- und Bauwesen mache «eine verstärkte Regionalisierung und Professionalisierung auf kommunaler Stufe» Sinn und ermögliche erhebliche Einsparungen.

Wauwil und Egolzwil führen heute noch eigene Bauämter. Auch im Steuerwesen oder im Sozialbereich schaut jeder für sich. Zu Gunsten der Steuerzahler bleibt zu hoffen, dass die zwei Räte wenigstens in solchen Belangen über den eigenen Schatten springen. Damit würde das Schauspiel am Santenberg zwar nicht in einer Liebeshochzeit enden. In Teilbereichen könnte aber zumindest eine Zweckehe zu Stande kommen.

Evelyne Fischer, Redaktorin, Ressort Kanton

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch


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