Gemeinderat uneins über Neubau

REIDEN ⋅ Das Projekt für ein neues Schulhaus liegt auf dem Tisch. Vor allem der Finanzvorsteher tut sich schwer damit. Momentan ist noch offen, ob der Urnengang am 27. November stattfindet.

14. Oktober 2016, 00:00

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Am 2. Dezember 2015 gab das Reider Volk an der Gemeindeversammlung grünes Licht für einen Planungskredit von 330000 Franken für ein neues Schulhaus. Jetzt liegen die Ergebnisse der Projektleitung auf dem Tisch. Am 27. November soll über den Baukredit von 6,29 Millionen Franken abgestimmt werden. Bei der Vorlage hat der Bürger weiter die Möglichkeit, zusätzlich über eine Vollunterkellerung von 740000 Franken zu entscheiden. Ob es jedoch Ende November zum Urnengang kommt, ist noch nicht entschieden. Die Interessengemeinschaft (IG) Reiden beispielsweise fordert vom Gemeinderat in einem offenen Brief, die Abstimmung «bis zum Vorliegen einer differenzierten Analyse möglicher Lösungsoptionen» zu verschieben.

Am Montag diskutierte der Gemeinderat an seiner ordentlichen Sitzung während knapp neun Stunden auch über die Vorlage und die Festsetzung des Abstimmungsdatums. Mit dem Resultat: Der Entscheid wurde vertagt. Am kommenden Montag nimmt der Gemeinderat einen weiteren Anlauf. Erneut ist das Geschäft an seiner ordentlichen Sitzung traktandiert.

«Gegenüber Bevölkerung Transparenz schaffen»

Eine Verschiebung des Abstimmungsdatums wäre ganz im Sinne von IG-Gemeinderat Bruno Aecherli: «Ich bin überhaupt nicht gegen neuen Schulraum. Im Gegenteil: Reiden braucht ihn. Das tatsächliche Optimierungspotenzial ist aber noch nicht umfassend genug ausgeschöpft worden.» Zudem sagt der Ressortleiter Finanzen: Gegenüber der Bevölkerung müsse zuerst Transparenz geschaffen werden. Das heisst für ihn: «Es ist unsere Pflicht, und der Bürger hat auch das Recht zu erfahren, wie es um die Reider Finanzen tatsächlich steht – bevor er über diesen Kredit abstimmt.» Die Gemeinde habe in Bezug auf die Finanzen weitreichende Entscheidungen zu treffen.

In dem Zusammenhang erwähnt er beispielsweise die Badi. Hier hat das Volk zwar an der Gemeindeversammlung vom 20. Juni einem Sonderkredit von 1,25 Millionen Franken zugestimmt und sich damit deutlich für deren Weiterbetrieb ausgesprochen. Doch Aecherli sagt: «Die Badi dürfte Reiden in jedem Fall mehrere Millionen kosten.» Das würde für die Gemeinde bedeuten, dass die aktuell 41 Millionen Schulden weiter ansteigen. «Und dann ist für mich klar: Wir kämen nicht darum herum, über eine Steuererhöhung ernsthaft zu diskutieren», sagt Aecherli. Der Reider Bürger wird am 7. Dezember an der Budget-Gemeindeversammlung über die aktuelle finanzielle Situation informiert.

Knappe halbe Million an Einsparungen

Die ursprüngliche Schulhausvariante – sie basierte auf einer Machbarkeitsstudie und wurde am 8. März 2015 vom Reider Stimmbürger an der Urne bachab geschickt – belief sich auf 9,25 Millionen Franken. Gegenüber dieser Version habe man aufgrund der detaillierteren Planung einen genaueren Kostenvoranschlag vornehmen können, sagt der zuständige Gemeinderat Bruno Geiser (SVP), der zum Projektausschuss gehört und die Abstimmung am 27 November durchführen möchte. Der Voranschlag habe ergeben, dass – neben der Reduzierung des Volumens – rund 400000 bis 500000 Franken eingespart werden könnten.

Der Grund dafür liegt gemäss Geiser bei der Optimierung von Materialien. Zudem waren bei der ursprünglichen Variante im Kellergeschoss rund 300 Quadratmeter explizit für Räume für Integrative Förderung, Textiles Werken sowie für einen Mehrzweckraum vorgesehen. Bei der jetzigen Version hat der Bürger eine minimale Unterkellerung vorliegen, «welche lediglich für Technik und Lagerraum vorgesehen ist», sagt Geiser.

Ein weiterer Unterschied zur 9,25-Millionen-Variante ist: Die neue Nettofläche (ausschliesslich für Schulraum) beträgt noch 1370 Quadratmeter – im Gegensatz zu den ursprünglichen 1920 Quadratmetern. Mit der Differenz von rund 600 Quadratmetern will sich der Gemeinderat die Möglichkeit offenhalten, in einer zweiten Etappe nochmals Schulraum nachzurüsten. Momentan übernimmt diese Funktion ein Container. Die Mietkosten dafür betragen rund 200000 Franken pro Jahr. Für Fundament und Erschliessung hat die Gemeinde weitere zirka 200000 Franken investiert. Für den Container besteht eine Miet-/Kaufoption.

Treffen die Schülerzahlprognosen in Reiden ein, «wird eine zweite Bauetappe für uns ab zirka 2026 aktuell», sagt Geiser. Unbesehen davon sei jedoch Fakt: «Trotz Container brauchen wir auf das Schuljahr 2018/19 weiteren Schulraum.» Deshalb gelte es, das Projekt möglichst zügig voranzutreiben, so der dafür zuständige Gemeinderat.

«Die Badi dürfte Reiden in jedem Fall mehrere Millionen Franken kosten.»

Bruno Aecherli

Gemeinderat von Reiden


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