Hier wird Platz für Neues gemacht

FLÜHLI ⋅ Die Chrutacherbrücke wird demnächst abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten dazu haben nun begonnen, allerdings erschweren diverse Umstände das Vorhaben.
22. April 2017, 00:00

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Ein angenehmer Start sieht definitiv anders aus. Seit Dienstag stehen Arbeiter vor Flühli an der Chrutacherbrücke im Einsatz, um diese abzubrechen und versetzt daneben eine neue Brücke zu bauen. Sie tun dies an den ersten beiden Tagen unter teilweise starkem Schneefall. Ein Besuch am Mittwochmorgen zeigt die Wiesen zwischen Schüpfheim und Flühli halb schneebedeckt. Sommerpneus für Autos wären eine heikle Wahl. Die Bauarbeiter vor Ort nehmen es einigermassen gelassen. «Der Schnee ist hinderlich im steilen Gelände, da dieses rutschig wird. Sonst geht es aber gut», sagt Robin Burch. Nichtsdestotrotz sei schönes Wetter besser zum Arbeiten.

Robin Burch steht mit seinen Kollegen im Einsatz, weil die 1912 erstellte Chrutacherbrücke ausgangs Lammschlucht zwischen Schüpfheim und Flühli am Ende ihrer Lebensdauer angelangt ist (wir berichteten). Die Vorbereitung startete im März, seit vergangenem Dienstag sind nun die eigentlichen Arbeiten für das Projekt im Gange. Grund für das Vorhaben ist, dass die alte Brücke in einem schlechten Zustand und baufällig ist. Sie genügt laut der Luzerner Regierung den heutigen Ansprüchen bezüglich Tragfähigkeit, Breite und Linienführung nicht mehr. Bereits seit Dezember 2014 ist die Brücke nur noch eingeschränkt befahrbar. Die Fahrbahn musste wegen des schlechten Zustands von 5,2 Metern auf 4 Meter verschmälert werden.

Bis zu 10 Meter hohe Felsen

Die alte Brücke wird aber noch bis im September stehen bleiben, wie Adrian Nauer, verantwortlicher Projektleiter bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern, beim Augenschein vor Ort erklärt. Bis dahin fliesst auch der Verkehr – einspurig und mit Ampeln geregelt – über diese Brücke. Zuerst geht es bei den Arbeiten nun darum, die neue Strassenführung auf der westlichen Seite der Brücke zu erstellen. Momentan führt sie an Felsen vorbei. Diese werden derzeit abgetragen, damit die Strasse einige Meter Richtung Westen verschoben werden kann. Die Felsen sind bis zu 10 Meter hoch. Bis zu 6 Meter von der Strasse her gesehen werden sie abgebrochen. Das Material wird später für die Hinterfüllung der Widerlagerwände und für die Dammschüttung verwendet.

«Der Felsabbau ist anspruchsvoll, gerade auch wegen der Geologie», sagt Adrian Nauer. So habe es Risse in einigen Felsen, was zu Abbrüchen führen könnte. Deswegen sind für nächste Woche auch Sperrungen nötig. So ist die Brücke ab kommendem Dienstag voraussichtlich dreimal von 19 Uhr bis Mitternacht gesperrt. Der Verkehr wird in dieser Zeit auf die alte Gemeindestrasse umgeleitet. Die Brücke wird auch gesperrt, damit der Kran aufgestellt werden kann.

Die bergseitigen Strassenarbeiten auf der westlichen Seite der Brücke sollen bis im Juni zu Ende sein. Parallel dazu werden auf beiden Seiten der Wald­emme die jeweiligen Widerlager erstellt. Dies bezeichnet die ­Stelle, wo die Strasse vom Ge­lände auf die eigentliche Brücke geleitet wird. Auf der östlichen Seite der Brücke wird ein tiefer Einschnitt in den Felsen nahe des Baches ausgebrochen, um das Brückenpfeilerfundament zu erstellen.

Danach geht es sukzessive an das Erstellen der neuen Brücke, die von einem Pfeiler getragen wird und 13 Meter über der Schlucht stehen soll. Der Pfeiler wird auf der östlichen Seite des Baches errichtet. Die neue Brücke wird s-förmig, 9 Meter breit und 53 Meter lang sein. Auch ein Trottoir mit einer Breite von 2,5 Metern ist vorgesehen.

Die neue Chrutacherbrücke soll im September für den Verkehr geöffnet werden. Danach wird die alte Brücke abgerissen. Die Strassenabschnitte, welche zur alten Brücke führen und für die neue nicht mehr gebraucht werden, werden rückgebaut.

Waldemme im Auge behalten

Projektleiter Adrian Nauer erklärt, dass neben den Felsen noch andere Umstände die Bauarbeiten bei der Chrutacherbrücke erschweren. «Die Platzverhältnisse sind eng, und der Hang auf der östlichen Seite der Brücke ist rutschempfindlich.» Deswegen würden Überwachungsinstrumente im Hang installiert. Auch die Waldemme gelte es im Auge zu behalten, da ihr Pegel schnell ansteigen könne. «Hier gilt es, das Wetter zu beobachten.» Zudem werde der Pegel kontrolliert.

KostensolldasProjekt 3,9Millionen Franken (siehe Kasten). Bis zu 20 Arbeiter werden am Bau der neuen und am Abbruch der alten Brücke beteiligt sein. Bleibt für sie zu hoffen, dass sich der Winter für die nächsten Monate endgültig abgemeldet hat.


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