Image-Korrektur stösst auf Skepsis

LUZERN ⋅ Laut der Hochschule ist das Image der Gemeinden bei der Bevölkerung «eher negativ». Nun will der Gemeindeschreiberverband mit einer Kampagne Gegensteuer geben. Diese kommt aber nicht überall gut an.
19. April 2017, 00:00

Lukas Nussbaumer

lukas.nussbaumer@luzernerzeitung.ch

Die Angebote und Dienstleistungen der Gemeinden für alle Interessierten sichtbar machen: Das will der Gemeindeschreiberverband des Kantons Luzern – mit einem Aktionstag am 28. Oktober. Der einmalige Anlass steht unter dem Motto «Wirken für alle» und ist Teil einer Image-­Offensive, die über den Aktionstag hinaus wirken soll. So beispielsweise mit einem Magazin, das in alle Haushalte verteilt wird.

Anlass für die Kampagne ist das Ergebnis einer Untersuchung, die der Gemeindeschreiberverband bei der Hochschule Luzern in Auftrag gegeben hat. Und das Fazit dieser Untersuchung ist für den Auftraggeber wenig schmeichelhaft: Das Image der Gemeinden in der Bevölkerung sei «eher negativ», und einem grossen Teil der Bevölkerung sei gar nicht mehr bewusst, welche Dienstleistungen und Aufgaben die Städte und Gemeinden erbringen würden.

Diese Erkenntnisse waren für den Verband Grund genug, an eine Kommunikationsagentur zu gelangen – mit dem Auftrag, eine Imagekampagne auszuarbeiten. Durch sie soll das Wissen über die Gemeinden gefördert und das allgemeine Interesse der Einwohner am Geschehen in der Gemeinde gestärkt werden. Ausserdem soll der Aktionstag zeigen, wie wichtig die Gemeinden als Ausbildungsstätte sind. So würden auf den Verwaltungen allein im kaufmännischen Bereich pro Jahr etwa 150Lehrlinge ausgebildet, stellt der Verband der Gemeindeschreiber stolz fest.

64 von 83Gemeinden sind «sehr gute Beteiligung»

Auf ein besonders grosses Echo ist der Verband mit der Kampagne bei seinen Mitgliedern nicht gestossen. In einer Umfrage vom Frühjahr 2016 zeigten sich bloss 59 der 83 Luzerner Gemeinden bereit, an der Kampagne teilzunehmen. Inzwischen sind es 64 Kommunen, wie Verbandspräsident Guido Solari auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Das sei eine «sehr gute Beteiligung», findet der Gemeindeschreiber von Kriens, da die Gemeinden ja autonom seien und in den teilnehmenden 64 Gemeinden fast 90 Prozent der Luzerner Bevölkerung wohnen würden.

Die Kosten von 105000 Franken konnte der Verband, dessen Jahresumsatz nur 40000 Franken beträgt, nicht selber stemmen. 35000 Franken steuern Sponsoren – darunter die Emil Frey AG und die CKW – bei. Das sei nicht heikel, da die Aktion einmalig sei und den Sponsoren daraus keine Vorteile entstünden, findet Solari. Offen ist, ob der Gemeindeschreiberverband die Aktion evaluiert. Sicher ist laut Solari: Eine weitere Imagekampagne ist derzeit nicht geplant.

Schenkoner Schreiber: «Haben ein gutes Image»

So begeistert der Krienser Gemeindeschreiber von der Kampagne «Wirken für alle» ist, so umstritten ist sie bei knapp einem Viertel der Gemeinden. Reto Weibel, der Amtskollege von Guido Solari in Schenkon, sagt: «Mit einem Tag der offenen Türen lässt sich ein Beruf nicht wie erhofft schmackhaft machen.» Die Kampagne werde daher in diesem Bereich nicht unterstützt, finanziell jedoch schon. Schenkon sei aufgrund der Grösse ganzjährig eine «sehr aktive Gemeinde mit vielen Kontakten zur Bevölkerung», und die Türen der Verwaltung stünden der Bevölkerung jederzeit offen. Schenkon, ist Weibel denn auch überzeugt, habe «ein gutes Image». Die Nichtbeteiligung am Aktionstag vom 28. Oktober heisse jedoch keinesfalls, dass sich Schenkon gegen den Verband stelle: «Wir sind bloss bei einem Teilprojekt nicht dabei.»

Keine Lust auf einen Aktionstag an einem Samstag haben auch Vitznau, Flühli und Beromünster. Der Vitznauer Gemeindepräsident Noldi Küttel findet, die Dorfbevölkerung werde bereits «ziemlich stark einbezogen», beispielsweise bei Mitwirkungsveranstaltungen zur Revision der Ortsplanung. Der Gemeinderat sei der Meinung, in Vitznau klappe die Verbindung zwischen Behörde und Bevölkerung «recht gut. Zusätzlicher Aktivismus ist daher nicht angesagt.» Trotz Bauboom der letzten Jahre würden sich die Einwohner grundsätzlich wohlfühlen, denn Vitznau habe kein negatives Image, glaubt Küttel.

Rege genützte Angebote und Dienstleistungen der Gemeinde, die von der ständigen Wohn­bevölkerung auch geschätzt ­würden: So begründet Sabine Wermelinger, die Gemeindepräsidentin von Flühli, das Fernbleiben ihrer Gemeinde. Sie stelle bei der Bevölkerung «eine gesunde Genügsamkeit und Dankbarkeit» fest. Zudem stelle die Sorge um sichere Erschliessung des Dorfs über die Lammschluchtstrasse mögliche andere Bedürfnisse in den Schatten, sagt Wermelinger. Ein erhöhtes Verlangen nach Informationen über die Leistungen der Gemeinde gebe es eher bei den vielen Zweitwohnungsbesitzern. Doch diese könnten mit einem Aktionstag «leider nicht erreicht werden».

Keinen Bedarf an einem Aktionstag hat auch Beromünster, wie Gemeindepräsident Charly Freitag sagt. Die Michelsämter Gemeinde pflege einen intensiven Dialog mit der Bevölkerung, sei das an der Jungbürgerfeier, auf dem Altersausflug, beim Neuzuzügertreff oder während der Sprechstunden, die er als Gemeindepräsident anbiete. Freitag: «Ein Aktionstag wäre etwas Zusätzliches, das für uns nicht passen würde.»

«Es ist kein zusätzlicher Aktivismus angesagt.»

Noldi Küttel

Gemeindepräsident Vitznau


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