Innert drei Tagen ist die Kapelle leergeräumt

ALTWIS ⋅ Über 75000 Franken will die Kapellenstiftung in den nächsten Wochen investieren, damit das Gotteshaus im Dorf wieder zu neuer Blüte findet. Doch damit gibt sie sich noch nicht zufrieden.

17. März 2017, 00:00

Dieses Geschenk war eine Bürde: 2015 übergab die 400-Einwohner-Gemeinde Altwis ihre Kapelle der neuen Kapellenstiftung. «Dieser Schritt war aufgrund der angespannten Finanzlage sinnvoll», sagte Gemeindeammann Markus Thomi damals gegenüber unserer Zeitung.

Schon vor zwei Jahren war klar: Die Kapelle muss renoviert werden. Das Weiss der Wände ist von einem grauen Schleier bedeckt, von den Schindeln des Dachreiters blättert die Farbe ab, die Fassade ist verwettert. Da eine Stiftung keine Mitglieder besitzen kann, wurde der Verein Freunde der Kapelle Altwis gegründet. «Die Stiftung setzte sich bis Ende 2016 zwei Ziele», sagt Präsident Pius Egli (66). Der Verein sollte auf rund 100 Mitglieder wachsen, um mit den Jahresbeiträgen den laufenden Unterhalt von gegen 4000 Franken zu finanzieren. «Zudem wollten wir die nötigen Spenden sammeln, um die Renovation anzugehen.»

Spendenbarometer beim Dorfeingang

Mittlerweile sind beide Ziele übertroffen: Bei den Mitgliederzahlen ist die 100er-Grenze geknackt. «Auf dieses Ergebnis haben wir gehofft», sagt Egli. «Um langfristig ein finanzielles Polster aufzubauen, ist jeder weitere Gönner willkommen.» Für die Renovation kamen bis heute 72000 Franken zusammen, wie das Spendenbarometer beim Dorfeingang zeigt. «Zusammen mit Geldern, die uns Stiftungen und die Diözese in Aussicht stellen, können wir starten.»

Nach Ostern geht’s los mit den Investitionen im Umfang von rund 76500 Franken. Die Kapelle muss gemalt (30000), der Altar gereinigt werden (12000). Dieser wie auch die Bänke, die Platz für rund 50 Gläubige bieten, werden entfernt. «Innert drei Tagen ist die Kapelle leergeräumt», sagt Egli. Auch eine Überprüfung der elektrischen Anlagen und Steuerungen steht an (23000), für den Holzbau, Spenglerarbeiten und Unvorhergesehenes sind 11500 Franken veranschlagt. Am Kilbisonntag vom 18. Juni soll die Kapelle eingeweiht werden. Hier findet noch jeden zweiten Freitag ein Gottesdienst statt.

Die letzte Renovation fand 1980 statt. Der Eingang erhielt ein kleines Vordach, das Kirchenschiff bequemere Bänke. Damals wurden auch die Fenster erneuert: Die Glasmalereien zeichnen das Leben des gebürtigen Altwiser Bischofs Anastasius Hartmann nach. Scheint die Sonne durch die bunten Fenster, sorgen die Strahlen für immense Farbigkeit in der kargen Kapelle. Als Schmuck dienen sonst einzig der goldene Tabernakel und die Statuen der Gottesmutter sowie der Heiligen Josef und Wendelin.

Viel Handfestes von den Anfängen ist nicht bekannt. Bekannt ist ein Zwist, der den Neubau von 1902 umgab. Für den Ersatz der baufälligen alten Kapelle standen zwei Standorte zur Diskussion. Keiner der Besitzer wollte aber Land hergeben. Das ist noch heute erkennbar: Kein halber Meter Umschwung gehört zur Kapelle, im Chor berührt die Mauer beinahe den benachbarten Hag.

Weg zu Ehren von Bischof Anastasius geplant

Mit der Renovation alleine gibt sich die Kapellenstiftung nicht zufrieden. Bereits schmiedet sie Pläne für 2018: Der Stiftung schwebt ein Weg mit sechs Stelen vor im Gedenken an Anastasius. In Anwesenheit von Bischof Felix Gmür beging Altwis letztes Jahr dessen 150.Todestag (Ausgabe vom 25. April 2016). «Der Weg soll vorbei am Geburtshaus von Anastasius bis nach Hitzkirch und retour führen», so Egli. «Die Kosten schätzen wir auf rund 30000 Franken. Ziel ist es, dass unsere Kapelle wieder an Bedeutung gewinnt. Zugleich wollen wir auch die Erinnerung an den Missionsbischof wachhalten.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch


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