Junge sollen Sitz zurückholen

GLP ⋅ Als letzte der etablierten Parteien gründen die Grünliberalen eine Jugendsektion – ein volles Jahr nach dem Grosserfolg als lose Bewegung. Für GLP-Präsident Roland Fischer ist das eine Investition ins Wahljahr 2019.

19. Oktober 2016, 00:00

Interview: Lukas Nussbaumer

lukas.nussbaumer@luzernerzeitung.ch

Der 18. Oktober 2015 wird Roland Fischer zeit seines Lebens in Erinnerung bleiben. An diesem Tag verlor die GLP – und damit er – den 2011 erstmals gewonnenen Nationalratssitz. Genauso historisch war das Ergebnis, das die Junge GLP erzielte: Sie holte von allen Jungparteien am meisten Stimmen – und dies gleich bei der ersten Teilnahme an eidgenössischen Wahlen (siehe Grafik).

Jetzt, ein Jahr später, sollen die bis anhin erst als lose Bewegung organisierten Jungen Grünliberalen feste Strukturen erhalten. Offiziell gegründet wird die Jungpartei am 31. Oktober in Sursee. Designierter Präsident ist der 23-jährige Mario Cozzio aus Geuensee. Mit vorerst etwa 20 Mitgliedern ist die JGLP die kleinste Jungpartei im Kanton Luzern (siehe Kasten). Der 51-jährige Roland Fischer, seit diesem April Nachfolger von Laura Kopp als Präsident der GLP des Kantons Luzern, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, was er sich von seinen jungen Parteikollegen erhofft.

Roland Fischer*, 2011 holte die GLP ohne Jungpartei einen Sitz im Nationalrat, 2015 verlor sie ihn wieder – trotz der JGLP als stärkste Jungpartei. Was heisst das für die Nationalratswahlen 2019?

Die Jungen sollen dazu beitragen, den Sitz zurückzugewinnen. Wir sind bei den jungen Wählern ja heute schon stark. Diese Stärke wollen wir ausbauen.

Auf Kosten der Mutterpartei?

Möglichst nicht. Aber es ist klar: Statt die GLP-Hauptliste haben im letzten Herbst wohl einige die Junge GLP eingelegt.

Wie die Resultate der letzten drei eidgenössischen Wahlen zeigen, schwanken die Wähleranteile bei den Jungparteien sehr stark. Wie wollen Sie verhindern, dass der JGLP das Gleiche passiert wie beispielsweise den Jungfreisinnigen oder der Jungen SVP?

Schwankungen verhindern zu können, wird sehr schwierig werden. Jungparteien haben weniger Stammwähler als die etablierten Parteien. Ihr Erfolg ist viel stärker von aktuellen Trends und Themen abhängig. Die Erfahrung zeigt aber auch, dass hohe Wahlbeteiligungen gleichbedeutend sind mit vielen Jungwählern. Wir werden versuchen, unsere Jungpartei gut zu positionieren und stabil zu strukturieren, damit wir vermehrt Jungwähler mobilisieren können.

Soll sich die Junge GLP denn von den Zielen ihrer Mutterpartei abgrenzen?

Grundsätzlich stehen wir für die gleichen Ziele und Werte ein. Dennoch wird die Jungpartei andere Schwerpunkte setzen, zum Beispiel bei der Altersvorsorge oder bei Fragen, die den Umgang mit dem Internet oder dem Datenschutz betreffen. Unterschiedliche Standpunkte zwischen Mutter- und Jungpartei hat es erst gerade gegeben. Die GLP-Fraktion im Bundesparlament stand für das Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs ein, unsere Jungen lehnten das «Büpf» ab.

Warum haben Sie die Jugendsektion nicht schon vor einem Jahr gegründet, als die Junge GLP das beste Resultat aller Jungparteien erzielte?

Wir wollten der nationalen Mutterpartei nicht vorgreifen und abwarten, bis eine Junge GLP der Schweiz gegründet war. Das ist nun der Fall.

Hinweis

*Roland Fischer, 51, ist Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Von 2011–2015 war er GLP-Nationalrat.


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