Kinder vom Napf bald ohne Bahn

ROMOOS ⋅ Die Seilbahn Schwändi–Oberlänggrat wird im nächsten Sommer eingestellt. Damit geht eine Ära zu Ende, was von vielen bedauert wird.
07. Dezember 2016, 00:00

Einem breiteren Publikum wurde sie durch den Dokumentarfilm «Die Kinder vom Napf» bekannt: die Luftseilbahn Schwändi– Oberlänggrat. Der Film zeigt, wie Bauernkinder in der Napfregion leben. Auf ihrem Schulweg benützen die Kinder ebendiese Luftseilbahn, welche auf dem Gemeindegebiet von Romoos liegt. Und nun kommt das Aus für die Bahn – voraussichtlich im nächsten Sommer wird der Betrieb eingestellt. Dies teilte der Romooser Gemeindepräsident Willi Pfulg an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Freitag mit, wie der «Entlebucher Anzeiger» berichtet.

Grund für die Schliessung ist, dass die Betreiber altershalber kürzertreten und die nachfolgende Generation auswärts arbeitet. Für den Betrieb braucht es allerdings von morgens bis abends eine Person vor Ort. Ausserdem müssten Investitionen in die 1962 wegen einer fehlenden Strassenverbindung gebaute Anlage getätigt werden. Da die Bahn seit je aber ein Defizitgeschäft ist, wie Gemeindepräsident Willi Pfulg im Gespräch mit unserer Zeitung ausführt, lohnt sich eine Weiterführung nicht. «Der Gemeinderat hat lange versucht, eine Lösung zu finden, aber es gibt keine Alternative. Wir bedauern das ausserordentlich.» Auch eine automatische Lösung – das heisst ohne physisch anwesenden Betreiber – sei nicht möglich, da trotzdem immer jemand in der Nähe sein müsse. Ob die Bahn bereits im Sommer abgerissen wird, sei aber noch unklar.

Kostendeckender Betrieb ist nicht möglich

Von seinem Haus ausserhalb von Romoos hat Willi Pfulg direkte Sicht auf die Bahn, welche aus einer Kabine für vier Personen besteht. Es ist ein idyllischer Blick: Das halbe Entlebuch liegt einem zu Füssen, der Napf ist von hier aus in etwa einer Stunde zu erreichen. «Touristisch war die Bahn durchaus beliebt», sagt Pfulg. Eine Fahrt kostet 8 Franken für Erwachsene, 4 für Kinder. Doch trotz der touristischen Attraktion reiche es nicht für einen kostendeckenden Betrieb.

Pfulg ist nicht der Einzige, dem die Schliessung nahegeht. An der Gemeindeversammlung sei der Schritt von mehreren Bürgern bedauert worden. Und auch den Sohn des Betreibers lässt das Aus nicht kalt. Roland Kammermann (49) betont, dass sein Vater sowie auch sein Grossvater die Luftseilbahn immer mit Herzblut und Engagement betrieben hätten. Ein solch aufwendiger Betrieb während 365 Tagen im Jahr sei nur dank des Einsatzes der ganzen Familie möglich gewesen.

«Seilbahnbetrieb ist für uns nicht mehr machbar»

Touristisch hätten die Besucherzahlen in den letzten Jahren zudem zugenommen und damit auch der Aufwand. Auch die gesetzlichen Auflagen seien verschärft worden und die anstehenden Investitionen wären unverhältnismässig gross. «Da wir einen Landwirtschaftsbetrieb führen und ich mehrere Tage pro Woche auswärts arbeite, ist der Seilbahnbetrieb für uns nicht mehr machbar. Wir tragen den Entscheid der Gemeinde entsprechend mit.»

Auf die Kinder vom Napf hat die Schliessung jedoch keine direkten Auswirkungen: Mittlerweile gibt es eine Strasse, welche auch im Winter geräumt wird und die für den Schulweg offen ist.

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch


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