Landauf, landab

Kulturerbe

17. März 2017, 00:00

«Unser Kulturerbe hat viele Facetten; es ist Teil unserer Umwelt, erzählt Geschichten, stiftet Identität und wird ständig neu erschaffen.» Mit diesem Satz liess das Eidgenössische Departement des Innern unlängst verlauten, dass sich die Schweiz am Europäischen Jahr des Kulturerbes 2018 beteiligt.

Die Botschaft kommt wie gerufen. Für all jene nämlich, die sich um den langfristigen Erhalt der Bergstrecke der Gotthardbahn sorgen. Wie es mit dem historisch einzig­artigen Trassee weitergehen soll, darüber wird schon länger spekuliert. An Ideen mangelt es nicht.

Was würde der geistige Vater der Gotthardbahn, Alfred Escher, heute sagen? Als Ende Mai 1882 in Luzern die Gotthardbahn feierlich eröffnet wurde, fehlte er aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit. Kurz danach verstarb er. Ihm, dem wohl markantesten Eidgenossen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war es nicht mehr vergönnt, einmal durch seinen Tunnel zu fahren.

Alfred Escher hätte bestimmt nichts dagegen, wenn seinem Werk ein dauernder Platz auf der Liste der Baudenkmäler von internationaler Bedeutung zuteil würde. Und unsere Nachfahren werden es einmal danken, wenn wir das einmalige Denkmal Schweizer Ingenieurs- und Baumeisterkunst nicht verlottern lassen. Auch sie möchten dereinst mit dem Zug durch die Kehrtunnel fahren und dabei «z Chileli vo Wasse» dreimal bestaunen können. Kulturhistorischer Unterricht und Schweizer Staatskunde sozusagen zum Nulltarif.

Dafür braucht es rasch ein klares Bekenntnis der nationalen Politik. Nichts anderes als die Gotthard-Bergstrecke eignet sich besser als Beitrag der Schweiz zum Europäischen Jahr des Kulturerbes. Alfred Escher und Louis Favre dürften sich freuen.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Ruedi Lustenberger, alt CVP-Nationalrat, Romoos

kanton@luzernerzeitung.ch


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