Letzte Chance für Kloster Rickenbach?

NEUORIENTIERUNG ⋅ Wie vielen Klöstern droht auch jenem der Arenberger Dominikanerinnen die Schliessung. Um das Ende abzuwenden, öffnet sich das Haus nun mit dem Angebot «Kloster auf Zeit».

30. November 2016, 00:00

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die Probleme der Klöster sind bekannt, der Mangel an Nachwuchs führt zur Schliessung vieler Häuser. Auch das Kloster Rickenbach zählt nur noch fünf Arenberger Dominikanerinnen. Droht auch hier das Ende? Durchaus. Doch kampflos gibt man sich dem Schicksal nicht hin. «In Rickenbach liegt unser Ursprung, deshalb wollen wir unser schönes Haus behalten», betont Schwester Monika Maria, die den Konvent am Dorfrand leitet.

Zur Erläuterung: Die Dominikanerinnen von Arenberg sind zwar in Deutschland zu Hause, gegründet worden ist ihre Gemeinschaft aber von einer Rickenbacherin – Mutter M. Cherubine Willimann. Ihr zu Ehren ist das Kloster mit Kapelle und Gästehaus im Jahr 1984 gebaut worden, als einziger Schweizer Ableger des deutschen Mutterhauses.

Das Modell mit den Senioren läuft aus

Gäste, die eine Auszeit nehmen wollen, hat man hier schon immer beherbergt. Dafür ist schon zu Beginn extra ein Gästetrakt eingerichtet worden. Aktuell verbringen auch zwei Pensionärinnen ihren Lebensabend im Kloster, früher waren es gar deutlich mehr. Weil die Nachfrage nach einem «Senioren-Platz» abgenommen hat, kann dieses Angebot nun aber nicht mehr weitergeführt werden. Und auch weil die amtlichen Auflagen für die medizinische und pflegerische Betreuung angestiegen sind. Das erschwert die wirtschaftliche Situation im Haus zusätzlich.

Mit dem neuen Projekt «erweitertes Kloster» will man nun Gegensteuer geben. Im Klostertrakt, dort also, wo bisher ausschliesslich die Schwestern lebten, werden die freien Zimmer umfunktioniert. Hier finden per sofort Menschen Zuflucht, die dem Alltag entfliehen und sich in den klösterlichen Alltag integrieren wollen. Doch dazu später mehr. Zunächst gilt der Fokus den drei «Fremden», die bereits ins Kloster eingezogen sind.

Diakon Blättler: «Wir gehen ein Wagnis ein»

Diese sogenannte Kerngruppe besteht aus drei Personen: Diakon Daniel Blättler, seine Frau Susanna und Ursula Schwank, Ergotherapeutin und geistliche Begleiterin. Im August beziehungsweise September haben sie ihr Quartier bezogen, um das Projekt zu leiten. Sprecher der Gruppe ist Daniel Blättler, der in den letzten 27 Jahren in Graubünden als Seelsorger gearbeitet hat. «Wir alle gehen ein Wagnis ein», sagt er und meint damit sowohl das Kloster, das Geld in seine Zukunft investiert, als auch seine persönliche Situation. Schliesslich gab er eine vergleichsweise sichere Anstellung in der Pfarreiseelsorge auf. Weshalb? «Weil mir das Motto des Klosters Rickenbach zusagt: vereinfachen, vertiefen, versöhnen. Genau darum geht es auch in unserem Projekt», sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. Seine Arbeit in der Pfarreiseelsorge sei sehr vielfältig gewesen, reichte von der Geburt bis zum Tod. «Hier kann ich mich stärker auf den Einzelnen konzentrieren. Das sagt mir zu.»

Womit wir wieder beim neuen Angebot wären. Zusätzlich zu den bisherigen 16 Einzel- und 4 Doppelzimmern für Kurzaufenthalter im Gästetrakt, besteht nun auch die Möglichkeit, intensiver in die Welt der Ordensgemeinschaft einzutauchen. Während einer Woche bis hin zu mehreren Monaten können Interessierte eines der sechs Auszeitzimmer im neu für die Aussenwelt geöffneten Klostertrakt beziehen. Sie teilen den Alltag mit den Schwestern und der Kerngruppe, beten und essen, arbeiten im Garten oder im Haus, haben Zeit für sich. «So fahren sie runter vom Stress im Beruf oder den Problemen in der Familie», sagt Blättler und führt aus: «Alles rotiert in der heutigen Gesellschaft, jedes Jahr muss das vergangene übertreffen. Bei uns finden die Leute zur Ruhe und können ihr Leben überdenken.» Falls gewünscht mit geistlicher Begleitung.

Neues Projekt hat drei Jahre Zeit

Daniel Blättler glaubt damit den Nerv der Zeit zu treffen. Drei Jahre gebe man dem Projekt, spätestens dann muss es sich bewährt haben. «Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, wollen aber wirtschaften können», erklärt er. Und Schwester Monika Maria sagt: «Wir Schwestern mussten uns öffnen und für Veränderungen bereit sein. Die erweiterte Klostergemeinschaft mit Nichtordensleuten ist eine Unterstützung und eine Bereicherung. Und für das Haus eine grosse Chance!» Vielleicht sogar seine letzte.

Hinweis

Website (Angebote und Preise): www.kloster-rickenbach.ch


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