Mehr Hilfe für Bergbevölkerung

GEMEINNÜTZIG ⋅ Der Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung konnte 2016 so viele Spenden sprechen wie seit Jahren nicht mehr. Entscheidend: Die Gönner konnten selber bestimmen, wen sie unterstützen.

16. März 2017, 00:00

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Sie lebt in der idyllischen Landschaft des Entlebuchs, des Lu­zerner Hinterlandes oder des ­Rigi-Gebiets: die Luzerner Berg­bevölkerung. Auf rund 1600 bäuerlichen Betrieben arbeiten sie, was 34 Prozent aller 4690 Bauernhöfe im Kanton Luzern entspricht. Doch die schöne und ruhige Wohnlage fordert auch ihren Tribut. Das Leben auf den oftmals abgelegenen Höfen ist hart, die Wege ins nächstgelegene Dorf und die dortigen Läden, Schulen oder zum Arzt lang. Und das erwirtschaftete Einkommen reicht manch einer Familie nicht aus, um grössere Investitionen zu tätigen, weshalb diese oftmals auf Jahre hinausgezögert werden.

Hierbei greift der Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung (SLB) den Bauern unter die Arme. 25 Familien konnte der gemeinnützige Verein letztes Jahr unterstützen, heisst es im kürzlich veröffentlichten Jahresbericht. «Das sind etwa gleich viele wie in den Jahren zuvor», sagt Präsident Alois Hodel auf An­frage. «Wir unterstützen jährlich plus/minus 20 Projekte», so der Egolzwiler. Was sich 2016 allerdings – erfreulicherweise – verändert hat, ist die ausbezahlte Summe der Unterstützungen. Knapp 400000 Franken waren es, so viel wie seit 2011 nicht mehr. Hodel ist überaus erfreut: «Es ist immer eine Genugtuung, wenn wir Familien helfen und ihre Perspektiven nachhaltig verbessern können.»

Bauernhäuser neu isoliert

Grund für die hohen Beiträge sind zum einen relativ hohe Einzelbeiträge von 15000 bis 25000 Franken pro Projekt. Zum anderen ist es die Art der Unterstützungen: «Die Erfahrung hat gezeigt, dass grundsätzlich hilfewillige Stiftungen und Spender leichter zu finden sind, wenn wir ihnen konkrete Hilfsprojekte zur Unterstützung anbieten», sagt Alois Hodel. «Dadurch können die Gönner selber bestimmen, wofür sie ihre Spende direkt einsetzen möchten.» Dankbar sei der SLB aber auch für kleine Spenden in den vereinseigenen Fonds, welche er für kleinere Unterstützungen direkt verwenden kann.

Am meisten unterstützt wurden 2016 Projekte für Wohngebäude in den Bergregionen, nämlich deren sieben. Zum Beispiel wurde ein Bauernhaus neu isoliert, erzählt Hodel. Das sei wärmetechnisch nötig gewesen und mit Blick auf den dadurch erzielten geringeren Energieverbrauch vernünftig. Weiter realisierte der 1980 gegründete Verein Projekte, bei denen sanierte Ökonomiegebäude, beispielsweise Ställe, restfinanziert, bei sozialen Notlagen angehäufte Schulden getilgt und anderweitige Investitionen ermöglicht werden konnten, etwa für Hofzufahrten. Der Solidaritätsfonds springt allerdings erst ein, wenn die Mitfinanzierungsmöglichkeiten der Banken, der Landwirtschaftlichen Kreditkasse oder der Schweizer Berghilfe sowie der zumutbaren Eigenleistungen ausgeschöpft sind.

Bekannte weisen auf Probleme hin

Bei den Projekten agiert der SLB-Vereinsvorstand, in dem unter anderem alt CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger sitzt, als Berater und Vermittler. «Wir sind sozusagen die Relaisstation zwischen den Bedürftigen und den Spendern», sagt Hodel. Wobei: Die Personen, welche schliesslich unterstützt werden, melden sich oft nicht selber beim Verein. «Dafür ist die Bergbevölkerung zu bescheiden», so Hodel. Wie erfährt der Verein dann, wer Hilfe benötigt? Oftmals seien es Gemeinderäte, Betriebsberater oder Bekannte der Bauernfamilien, die sich bei der Geschäftsstelle melden.

Jedes Gesuch werde dann genau geprüft, versichert Hodel. So würde ein ausgewiesener und neutraler Experte mit den Gesuchstellern zunächst die Investition besprechen und alternative Realisierungs- und Finanzierungsmöglichkeiten abwägen. «Um nötige Vorhaben schlussendlich finanziell tragbar zu machen, kümmern wir uns dann um die Restkosten-Finanzierung.» Die Suche nach potenziellen Gönnern kann dann beginnen.

Hinweis

Mehr Infos: www.luzernerbergbevoelkerung.ch

«Personen, die Unterstützung benötigen, melden sich oft nicht selber. Dafür ist die Bergbevölkerung zu bescheiden.»

Alois Hodel

Präsident Solidaritätsfonds Luzerner Bergbevölkerung


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