Landauf, landab

Meister des Small Talks

25. November 2016, 00:00

Es ist wieder Weihnachtsessen-Zeit. Das Säli ist brechend voll, du sitzt neben jemandem, den du bestenfalls vom Sehen kennst, und solltest gesellig sein. Bestenfalls redest du übers Wetter, schlechtestenfalls über Geschäftskram. Ich kenne das.

Es gibt allerdings eine Gruppe Personen, mit denen ich mich mit Freuden verplaudere. Mit denen ich entzückenden Small Talk pflege. Fremde Personen, die ich noch nie gesehen habe. Und vielleicht nie wiedersehen werde. Kinder.

Kürzlich auf dem Spielplatz. Ein etwa Dreijähriger schreit lauthals vom Klettergerüst herunter: «Hei du. Du da!» Irgendwann schwant mir, dass ich gemeint sein könnte. Nachdem wir über seine Kletterroute gefachsimpelt haben, erzählt er mir sein neuestes Abenteuer. Er hat nämlich einen Geist ge­sehen. Gerade eben. Was ich doch schon eine recht steile Vorlage finde, verglichen mit einem Thema wie dem Wetter.

Kinder können auch sehr charmant sein. Kürzlich auf demselben Spielplatz. Ein Fünfjähriger: «Du, junge Frau!» Ich, doch schon etwas älter, fühle mich nicht betroffen. «Du, junge Frau!» ruft er nochmals. Ich drehe mich um und bin schon mitten drin im Small Talk. «Du, ich hab im Fall ein Cabrio und einen Betonmischer!» Rufts und rutscht bäuchlings die Rutsche runter. Zugegeben, diese Konversation war vielleicht etwas kurz. Aber immerhin kam er sofort auf den Punkt.

Kinder sind Meister der Gesprächsführung. Kürzlich trafen wir ein anderes Kind, etwa drei, das sich für uns interessierte. «Du, wie alt bist du?» «Fünfunddreissig.» «Und der da?» «Der heisst Noah.» «Wie alt ist der?» «Eins.» «Hat der einen Bruder?» «Nein.» «Und wie alt ist der?» «Er hat ja gar keinen Bruder.» «Aber ich hab einen.»

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Luzia Mattmann, Journalistin

kanton@luzernerzeitung.ch


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