Patient erschlägt Zimmergenosse

ST. URBAN ⋅ Ein 33-jähriger Kosovare hat in der psychiatrischen Klinik einen 85-jährigen Patienten angegriffen, woraufhin dieser kurz darauf verstarb. Bezüglich Motiv tappt die Polizei im Dunkeln.
15. April 2017, 00:00

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Tragödie im Luzerner Hinterland. Ein Mann wird am Donnerstagabend von seinem Hausarzt in die psychiatrische Klinik in St. Urban eingewiesen und ­tötet kurz darauf einen anderen Patienten. Der Täter, ein 33-jähriger Kosovare, trifft mit seinem Bruder um 23.30 Uhr freiwillig in der Klinik ein, gibt den Mitarbeitern Auskunft. «Er war zwar angespannt», sagt Julius Kurmann, Chefarzt stationäre Diens­te der Luzerner Psychiatrie (Lups) auf Anfrage. Dies sei aber nichts Atypisches für jemanden, der zum ersten Mal in eine Klinik eingewiesen werde.

Kurz darauf wird er in ein Zimmer geführt. Medikamente lehnt er ab, für Zwangsmedikamente gibt es laut Kurmann zu diesem Zeitpunkt keine Rechtfertigung. Ein paar Minuten später hören Mitarbeiter Geräusche aus dem Doppelzimmer, in dem auch ein 85-jähriger Patient übernachtet. Sie finden den 33-jährigen Kosovaren, der im Luzerner Hinterland wohnhaft ist, vor der Türe stehend. Ein Mitarbeiter schafft es, ihn von der Türe wegzuführen. Im Zimmer wird darauf der 85-Jährige schwer verletzt aufgefunden. In den frühen Morgenstunden erliegt das Opfer, ein in einer Luzerner Agglomerationsgemeinde lebender Italiener, seinen Verletzungen.

Zum Zeitpunkt, als das Opfer aufgefunden wird, ist die Polizei bereits unterwegs zur Klinik. Noch bevor sie dort eintrifft, entkommt der Täter dem Mitarbeiter und flieht in die Nacht. Doch weit kommt er nicht: Um 2 Uhr wird er laut Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, in Grossdietwil ohne Gegenwehr festgenommen.

«Jetzt braucht es Handlungsanweisungen»

Der Täter hat sein Opfer ohne Waffe angegriffen, wie Polizeisprecher Graf weiter ausführt. Was ihn zur Tat trieb, ist noch unbekannt. Julius Kurmann von der Lups erklärt, dass der Täter wegen einer «psychosozialen Belastungsstörung» eingeliefert wurde. Dies geschieht, wenn jemand in einer Stresssituation ist und diese zu einer Krisensituation eskaliert. «Wir hatten aber aus seiner Biografie keine Hinweise auf aggressives Verhalten.» Entsprechend überraschend sei der Angriff gekommen. Im Nachhinein ist laut Kurmann klar, dass die ­Situation falsch eingeschätzt wurde. Nun gelte es aber vor ­allem, die Mitarbeiter zu unterstützen und danach genau zu analysieren, was aus dieser Tat gelernt werden könne. «Jetzt braucht es Handlungsanweisungen für die Zukunft.»

Schutz vor sich selber und vor Dritten

Der Kosovare sitzt nun in Untersuchungshaft. Gemäss Julius Kurmann wird er in eine forensische Psychiatrie gebracht. Also in eine Institution, die ihn vor sich selber wie auch vor Dritten schützt. Solche Fälle, in denen ein Patient einen anderen Patienten tödlich verletzt, sind «extrem selten», wie Julius Kurmann ausführt. Der Täter und das Opfer kannten sich nicht.

Die Untersuchung des Falles wird von der Staatsanwaltschaft Sursee geführt.


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