Polizei braucht mehr Speicherplatz

KRIMINALITÄT ⋅ Die Luzerner Polizei hat zu kämpfen: Da konfiszierte Rechner heute viel leistungsfähiger sind als früher, hat sie es schwerer, Geräte zu analysieren. Das will sie jetzt ändern.

01. Dezember 2016, 00:00

Mehr Leistung, mehr Speicher, mehr Daten – manch ein Computerfan dürfte sich wohl nur wenig Schöneres vorstellen können. Anders die Lage bei der Luzerner Polizei: Will sie heute beschlagnahmte Datenträger durchforsten, ist der Aufwand um einiges grösser als vor wenigen Jahren. «Festplatten sowie neue Heimcomputersysteme sind meist mit mehreren Terabyte Speicher ausgerüstet, welche die Speicherung von Millionen E-Mails, Bildern und Textdokumenten ermöglichen», heisst es dazu im Jahresbericht 2015. Diese Datenflut stellt die IT-forensische Abteilung zunehmend vor Probleme.

Darum reagiert die Polizei nun: Das Luzerner Korps will eine neue Infrastruktur für die IT-Forensik anschaffen. Die entsprechende Ausschreibung wurde jüngst im Luzerner Kantonsblatt publiziert. Polizeisprecher Urs Wigger erklärt auf Anfrage: «Grundsätzlich geht es bei der Beschaffung darum, genügend Speicherkapazität und Rechnerleistung zu erhalten. So können wir die Daten beschlagnahmter Geräte effizient abspeichern und analysieren.»

Neues System soll Ende 2017 bereitstehen

Die Polizei sucht einen Anbieter, der ihr für vier Jahre (mit Option auf Verlängerung ) ein funktionierendes System zur Verfügung stellt. Die Ausschreibung läuft bis am 16. Dezember. Das neue System soll Ende des nächsten Jahres in Betrieb sein. Zu den Kosten will Wigger nichts sagen: «Wir nehmen während des laufenden Ausschreibungsverfahrens keine detaillierte Stellung zu den Inhalten.» Dass Cyberkriminalität ein aktuelles Thema ist, zeigt ein Blick in den Finanz- und Aufgabenplan des Kantons Luzern. Für die Jahre 2017 bis 2020 will er das Thema verstärkt anpacken: «Bei der Kriminalitätsbekämpfung soll die Internet-, Computer- und Pädokriminalität im Fokus stehen.» Total budgetiert der Kanton für den Bereich öffentliche Ordnung und Sicherheit einen Aufwand von 425,4 Millionen Franken für das kommende Jahr.

Zurück zum aktuellen Problem: Neben der Speicherkapazität der einzelnen Geräte wächst auch die Zahl der untersuchten Datenträger: 2014 hatte die IT-forensische Abteilung noch 259 Computersysteme – also PCs und Laptops – analysiert. Im letzten Jahr waren es 314 Systeme. Davon wurden 137 Systeme wegen Verdachts auf illegale Pornografie untersucht.

Breite Palette an Delikten

Diese Deliktsart führt die entsprechende Rangliste an. Aber die Palette ist breit. Sie reicht von Delikten gegen das Vermögen, gegen das Strassenverkehrsgesetz bis hin zu Straftaten gegen Leib und Leben. Polizeisprecher Wigger sagt dazu: «Ermitteln wir zum Beispiel wegen Drohung, können wir auf Verfügung den E-Mail-Verlauf zweier Personen rekonstruieren und analysieren.»

Bekanntermassen kann man E-Mails und andere Daten nicht nur auf PCs und Laptops abspeichern: Im Jahr 2015 durchsuchte die IT-forensische Abteilung deshalb zusätzlich 439 externe Festplatten und 1288 Mobiltelefone. Von Juli bis Dezember landeten 140 Terabyte Datenmaterial bei den IT-Ermittlern. Damit könnte man 6800 Stunden Film in Full-HD-Qualität abspeichern. Das berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag» im Frühling. Dauerte die Analyse eines Handys vor wenigen Jahren noch 15 Minuten bis maximal eine Stunde, sind es heute bis zu zehn Stunden.

Derzeit arbeiten sechs Personen in der IT-forensischen Abteilung. Dabei soll es bleiben – zumindest vorerst. Gemäss Finanzplan dürfte eine Aufstockung der Stellen aber bis ins Jahr 2020 Tatsache sein: Dort wird ein Ausbau der Fachkräfte im Bereich der IT-Forensik explizit erwähnt.

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch


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