Prozess wird verlängert

16. März 2017, 00:00

Hohenrain Es ist ein Plädoyer mit Sprengkraft: Der 26-jährige Initiator des Angriffs in Hohenrain (wir berichteten) soll aufgrund der Verletzung eines Verfahrensgrundsatzes freigesprochen werden. Sein Verteidiger argumentierte, die Staatsanwaltschaft habe in dieser Sache bereits eine rechtskräftige Einstellungsverfügung erlassen. Eine solche komme gemäss bundesgerichtlicher Rechtssprechung einem Freispruch gleich. Sein Mandant habe nie die Absicht gehabt, sich an den Brasilianern zu rächen, die ihm an besagtem Abend eine blutige Lippe verpasst hätten. Er habe nur noch nach Hause gehen wollen, als man die Gruppe auf dem Heimweg zufällig gesehen habe. Zugegeben, er habe dann einem Brasilianer mit einem Hammer auf dessen Gesäss geschlagen, nicht aber ins Gesicht. Das Ganze habe nichts mit der Tötung eines zweiten Brasilianers zu tun, die sich in einer Entfernung abgespielt habe und von einem ihm kaum bekannten Kosovaren begangen worden sei.

Auch der Verteidiger des 35-jährigen Mazedoniers rügte, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren erst einstellte und in der Folge wieder aufnahm. Es bleibe dabei: Sein Mandant sei beim Dorfeingang Hohenrain seinem Kollegen zu Hilfe geeilt. Dass einige Meter weiter sein kosovarischer Arbeitskollege mit einem Messer auf einen anderen Brasilianer eingestochen und diesen getötet hat, habe er nicht mitbekommen. Er sei vom Vorwurf der Tötung freizusprechen.

«Tragödie beruht auf einem Rachefeldzug»

Die Krux liegt darin, dass auch der Verteidiger des dritten Mannes einen Freispruch forderte. Sein Mandant hätte keinen Grund gehabt, den Brasilianern etwas anzutun – im krassen Gegensatz zu dem jüngsten Angeklagten. Dieser habe eine Rauferei mit den Brasilianern gehabt. «Er holte sich dabei nicht nur eine blutige Nase, sondern zog auch den Spott der Umstehenden auf sich. Er wollte Rache», so der Verteidiger des Kosovaren, nach dem die Polizei sechs Jahre lang gesucht hatte. Die ganze Tragödie habe auf diesem Rachefeldzug beruht – und damit habe sein Klient nichts zu tun gehabt. Er sei lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Gericht will weiteren Zeugen befragen

Kurz gesagt: Nach wie vor will es keiner gewesen sein. Die Verhandlung wurde nun bis auf Freitag ausgedehnt. Der Grund: Das Gericht will noch einen weiteren Zeugen befragen. Es handelt sich um einen Cousin des Kosovaren. Ihm gegenüber soll dieser die Tat zugegeben haben. (ber)


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