Rückt der Bezirk Muri nach links?

GROSSRATSWAHLEN ⋅ Bei den anstehenden Parlamentswahlen kommt die SVP unter Druck. Sie will den frei werdenden Sitz verteidigen. Derweil blasen die Grünen zum Angriff.

15. Oktober 2016, 00:00

Die Aargauer Bevölkerung wählt am 23. Oktober ihre Regierung und die 140 Mitglieder des Grossen Rats neu. Die Wahlen versprechen spannend zu werden. Für den ganzen Kanton generell, weil die Parlamentswahlen jeweils ein Jahr nach den Nationalratswahlen stattfinden und damit gesamtschweizerische Trends bestätigen oder widerlegen. Im Besonderen aber auch für die Wähler im Bezirk Muri. Weil SVP-Grossrat Wolfgang Schibler von Bettwil wegzog, darf er nicht mehr für den Bezirk Muri antreten. Da alle weiteren bisherigen Parlamentarier (je zwei für die SVP und die CVP, einer für die FDP und einer für die SP) wieder antreten, kommt es wohl zu einem spannenden Kampf um den freien siebten Sitz.

Erklärtes Ziel der SVP ist es, neben den Mandaten von Milly Stöckli (Muri) und Daniel Urech (Sins) auch den Sitz von Schibler zu verteidigen und neu zu besetzen, wie Nicole Müller-Boder sagt. Sie sei zuversichtlich, dass dies gelinge, fügt die Präsidentin der Bezirkspartei an und kommt auf die Nationalratswahlen zu sprechen, bei der die SVP stark zulegen konnte. «Erfahrungsgemäss ist der Wähleranteil bei den Grossratswahlen nicht so hoch, dennoch glauben wir, dass das Volk sich je länger je mehr der SVP zuwendet», so Müller. Was die Kandidaten betrifft, sei die SVP sehr gut aufgestellt, betont die Buttwilerin, die selber auf der ­Liste steht. «Normalerweise müssen die Parteien suchen, um die Liste füllen zu können. Wir hatten dieses Jahr sogar mehr Anwärter als Plätze.»

Lange eine CVP-Hochburg

Die CVP hat sich zum Ziel gesetzt, die bisherigen Sitze von Herbert Strebel (Muri) und Ralf Bucher (Mühlau) zu verteidigen. «Unsere Strategie besteht darin, dass wir so präsent wie möglich sein wollen und uns um Aufmerksamkeit bemühen», sagt Herbert Strebel, der die Bezirkspartei präsidiert. Auf die Frage, wie er die Chance einschätze, dass die CVP künftig drei Grossräte stellen könnte, meint der langjährige Politiker: «Chancen dazu bestehen, aber es wird schwierig sein. Ich hoffe, dass die Wahlbeteiligung gross ist, damit keine Zufallswahlen möglich sind.» Seine Partei sei stolz auf die «ausgewogene und breit abgestützte» ­Liste. Welche Prognose er für den Wahlausgang im Bezirk Muri stellt? «Ich gehe davon aus, dass es zu keinen gravierenden Verschiebungen kommt», so Strebel.

Besitzstandswahrung ist auch für die FDP das Ziel. Ihren Grossratssitz von Stefan Huwyler (Muri) möchten die Liberalen «mit einem guten Resultat verteidigen und gegenüber den Wahlen von 2012 zulegen», wie Bezirkspräsident Tobias Knecht sagt. Einen zusätzlichen Sitzgewinn für die FDP erachtet Knecht als unrealistisch. «Der Bezirk war politisch über viele Jahrzehnte als CVP-Hochburg von dieser Partei geprägt, welche in den vergangenen Jahren aber zu Gunsten der SVP stark Federn lassen musste.» Die letzten Wahlen hätten die SVP als klar stärkste Partei bestätigt. «Die FDP konnte ihren Wähleranteil erhöhen, und ich erwarte auch bei diesen Wahlen einen Zuwachs. Dass es zu einem zweiten Mandat reicht, gehört nüchtern betrachtet aber eher in die Kategorie Wunschdenken.» Die FDP könne im Bezirk auf eine treue Wählerschaft zählen, sagt der Murianer, der selber auch kandidiert. Er erwarte ein gutes Resultat.

Dies tut auch Peter Hauser, Präsident der SP Bezirk Muri. Seine Partei trete mit einer «starken Liste» an. «Wir sind überzeugt, dass die SP ihr Resultat von 2012 übertrumpft», sagt der Aristauer, dessen Name auch auf der Liste steht. Die Chancen, den bisherigen Sitz zu halten, seien «überaus hoch». Grossrat Flurin Burkard (Waltenschwil) erhalte für sein Engagement viel Zustimmung. Ausserdem spricht Hauser die Sparmassnahmen bei der Bildung und der öffentlichen Sicherheit an. «Viele Menschen sind nicht bereit, abermals Leistungsabbau hinzunehmen.»

Auch viele andere mischen mit

Im Bezirk Muri mischen auch die Grünen, die GLP, die BDP, die EVP, die EDU und die Gruppierung LOVB mit. Vor vier Jahren mussten die Grünen ihren Sitz der SVP überlassen. Lea Küng von der Bezirkspartei der Grünen sagt, die Chance eines Sitzgewinns sei vorhanden. «Es kommt auch auf das kantonale Ergebnis an. Die Grünen haben bei den vergangenen Wahlen verloren. Eine Umfrage der ‹Aargauer Zeitung› jedoch sagte Sitzgewinne für uns voraus. Das stimmt uns optimistisch», so die Beinwilerin. Ein Sitzgewinn für die Linken täte der Grossratsdeputation gut, ist auch Peter Hauser der Meinung – «sind doch heute sechs der Mandate in bürgerlicher Hand».

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

«Eine Umfrage sagt Sitzgewinne für die Grünen voraus. Das stimmt uns optimistisch.»

Lea Küng

Grüne Bezirk Muri


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