Landauf, landab

Schäm dich!

14. Oktober 2016, 00:00

Erinnern Sie sich manchmal auch an Ihre Kindheit und wie Mutter im Konsum zu Ihnen und den Geschwistern sagte: Jetzt streitet nicht so, man muss sich ja schämen? Wenn man ein Loch in der Hose hatte, ein Eselsohr im Schulheft oder einen Böögg am Finger. Zack, wurde man aufgefordert, sich zu schämen.

Heutzutage ist Schämen nicht mehr so in. Jedenfalls dachte ich das bis vor kurzem. Aber in einem kleinen Dorf auf dem Land ziemlich am Rande der Schweiz sagte mir das Schämen wieder laut und deutlich Hallo. Wir waren auf Verwandtenbesuch, eines kam zum anderen, und plötzlich hiess es: Gehen wir doch noch an die Hochzeit vom Cousin. Gesagt, getan. Mein Liibli war ganz anständig, und mehr brauchte es ja nicht, wenn man nur kurz nach der Hochzeitsmesse den beiden Turteltäubchen die Hände schüttelt, dachte ich. Falsch gedacht.

Die Hochzeit entpuppte sich als eine jener Open-Air-Zeremonien, bei denen Hund und Katz dabei sind, mit Stühlen mitten auf dem Rasen und Blumen überall. Ehrlich gesagt war es eine entzückende Hochzeit. Die Gäste waren wunderschön, geschmackvoll eingekleidet und edel frisiert. Was dann auch das Problem war. Meine Jeans mochten noch knapp durchgehen.

Leider hatten es aber auch meine Treckingschuhe an den Anlass geschafft. Sie bildeten im wahrsten Sinne den Tiefpunkt des Ensembles. Leider sahen sie genauso mitgenommen aus, wie sie waren, und hatten dazu noch ein auffälliges Loch. An einer Hochzeit! Ich versuchte mich, so gut es ging, hinter einem Busch zu verdrücken. Spätestens beim Gratulieren ging das dann nicht mehr, und das ganze Ausmass des Schuh gewordenen Albtraums präsentierte sich der festlichen Gesellschaft. Kurze Zeit später hatte ich neue Treckingschuhe.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Luzia Mattmann Journalistin

kanton@luzernerzeitung.ch


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