Tötungsdelikt: In zehn Tagen folgt das Urteil

KRIMINALGERICHT ⋅ Fast vier Tage dauerte der Gerichtsprozess über das Tötungsdelikt von Hohenrain, nun ist die Verhandlung zu Ende. Eine Aussage sorgte im Gerichtssaal für besondere Hektik.

18. März 2017, 00:00

Der gestrige Prozesstag war der Showdown der fast viertägigen Verhandlung (Ausgaben vom Dienstag, Mittwoch und Donnerstag). Zu Beginn wurde noch ein letzter Zeuge befragt. Es handelt sich um den Cousin von einem der Beschuldigten. Ihm gegenüber soll der Betreffende zugegeben haben, es sei möglich, dass er das Opfer erstochen habe. Aufgeboten wurde der Zeuge von der Gerichtskanzlei, er hat aber auch mit einem der Mitrichter telefoniert. Diese Information sorgte im Gerichtssaal für einige Hektik. In der Befragung räumte der Zeuge ein, auf einen Anruf des Richters sehr ungehalten reagiert zu haben. «Ich war sehr emotional. Die Erinnerungen kamen wieder hoch», sagte er. An die Ereignisse in den Tagen nach der Tat will er sich nicht mehr erinnern können, weshalb seine Befragung auch keine neuen Erkenntnisse zu Tage brachte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass nicht nur der Cousin, sondern auch dessen mazedonischer Arbeitskollege der Täter sein könnte. Dessen Anwalt verlangte nach der Befragung die Unterbrechung der Verhandlung. Er wolle mit seinem Klienten besprechen, ob man aufgrund des Telefonats zwischen dem Zeugen und dem Richter ein Ausstandsgesuch stellen wolle. Inzwischen gab der Verteidiger bekannt, dass man auf einen solchen Antrag verzichte. «Objektiv betrachtet gibt es Anhaltspunkte dafür, dass es nicht glücklich war, dass der Richter den Zeugen angerufen hat.» Das hätte eine Sekretärin machen sollen. «Aber subjektiv trauen wir ihm zu, dass er sich nicht vom Gejammer eines Zeugen beeinflussen lässt.» Zudem wolle sich sein Klient nicht dem Vorwurf aussetzen, er verzögere das Verfahren.

Die vorsitzende Richterin betonte: Die Kanzlei sei mit dem Telefonat beauftragt worden. Der Zeuge hätte es abgelehnt, an die Verhandlung zu kommen. Mit der Kanzlei verweigerte er offenbar das Gespräch. Deshalb klärte der Mitrichter ihn dann telefonisch darüber auf, dass er zur Aussage verpflichtet sei. «Er hat in keiner Art und Weise mit dem Zeugen über die Verhandlung gesprochen oder ihn unter Druck gesetzt.»

«Vor Gott und dem Gesetz die Wahrheit beweisen»

Als dies geklärt war, erhielten die Beschuldigten die Gelegenheit zum letzten Wort. Der Mazedonier – der Klient des erwähnten Anwalts – sagte, es täte ihm «unglaublich leid, dass das Opfer gestorben ist», er hätte mit seinem Tod aber nichts zu tun gehabt.

Länger holte der dritte Beschuldigte aus, der die letzten Jahren im Kosovo lebte und erst 2015 befragt werden konnte. Er kam unter der Zusage in die Schweiz, dass er das Land unabhängig vom Prozessausgang wieder verlassen kann. Er betonte: «Meine Einreise in die Schweiz hatte nur ein Ziel: Vor Gott und dem Gesetz die Wahrheit zu beweisen und ans Licht zu bringen, was geschehen ist, als ein junger Mensch sein Leben verlor.» Als Einziger der drei habe er kein Motiv gehabt, den Brasilianer anzugreifen. Der Dritte im Bunde hatte gestern sein letztes Wort an die Richter gerichtet. Das Urteil soll am 28.März öffentlich verkündet werden.

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Mehr über das Tötungsdelikt von Hohenrain lesen Sie morgen in der «Zentralschweiz am Sonntag».


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