Wenn die Nase wieder juckt

HEUSCHNUPFEN ⋅ Der Frühling steht vor der Tür – und damit auch die Heuschnupfensaison. Allergiker müssen sich dieses Jahr vor allem vor den Eschenpollen in Acht nehmen.

20. März 2017, 00:00

Christina Klein und Susanne Balli

kanton@luzernerzeitung.ch

Der Regen am Wochenende hat vielen Heuschnupfengeplagten etwas Erleichterung verschafft. Doch sobald es trocken ist und die Sonne scheint, sind die Pollen wieder am Fliegen. Hasel und Erle haben die diesjährige Heuschnupfensaison in der Zentralschweiz eingeleitet. Die Blütezeit hat aufgrund der tiefen Temperaturen im Dezember und Januar zwei Wochen später als üblich eingesetzt und so das Leiden der Allergiker ein wenig verzögert. Damit ist definitiv Schluss: Bis Mitte April reizen blühende Sträucher die eine oder andere Nase, und schon bald kommen auch die Pollen von Eschen und Birken dazu. Die Eschenpollen dürften 2017 etwas stärker sein, da sie in einem Zwei-Jahres-Rhythmus blühen und vergan­genes Jahr eher schwach waren. Gemäss der Pollenprognose von Meteo Schweiz und dem Allergiezentrum Schweiz werden die meisten Pollenallergiker ab Anfang Mai betroffen sein, wenn die Blütezeit der Gräser beginnt.

Betroffene reagieren oft auf mehrere Pflanzen allergisch. Beispielsweise haben Hasel, Birke und Erle ähnliche Allergene, wodurch es sehr wahrscheinlich ist, dass Allergien auf alle drei Pflanzen vorhanden sind. Ähnlich verhält es sich mit den über 200 verschiedenen Gräsern in der Schweiz: Wer auf eine Art reagiert, ist nicht selten auch auf andere allergisch.

Jeder Fünfte in der Schweiz hat eine Pollenallergie

Gerhard Müllner, Allergologe am Luzerner Kantonsspital, sagt: «Die Beschwerden von Pollen­allergikern haben aufgrund des schönen und warmen Wetters in der letzten Woche deutlich zugenommen, weil sich die Leute wieder vermehrt draussen aufgehalten haben.» Immer mehr Personen sind von einer Pollenallergie betroffen. «Mittlerweile sind es 20 bis 25 Prozent der Bevöl­kerung», sagt Müllner. Der Leidensdruck sei aber unterschiedlich ausgeprägt. «Wer nur ab und zu aufgrund von Pollen niest, muss nicht unbedingt etwas unternehmen. Wenn aber die Lebensqualität eingeschränkt ist, sollte man das unbedingt ärztlich abklären lassen.»

Pollenallergie kann erblich veranlagt sein und schon in frühen Jahren eintreten oder im Laufe des Lebens entstehen. Warum das geschieht, ist nicht abschliessend geklärt. Die Allergie wird oft unterschätzt: Die Symptome können deutlich über das bekannte Laufen der Nase und das Brennen der Augen hinausgehen. Bleibt die Allergie für längere Zeit unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen. Dabei greifen die allergischen Reaktionen von den oberen auf die unteren Atemwege über. Es ist also nicht mehr der Nasen-Rachen-Raum betroffen, sondern die Bronchien und Lungen. Dies führt oft zu allergischem Asthma. «Bei zirka 50 Prozent der Pollenallergiker kann es zu einem solchen Etagenwechsel kommen», sagt Müllner.

Doch wie können Pollen das Immunsystem dermassen aus dem Lot bringen? Sereina de Zordo vom Aha-Allergiezentrum Schweiz sagt: «Gelangen die Pollen in den Körper, meint das Immunsystem, die eigentlich harmlosen Eiweisse seien schädlich, und schickt Antikörper los.» Die Antikörper docken an Zellen im menschlichen Gewebe an und bringen diese zum Platzen. Dabei werden aus den Zellen Histamine freigesetzt, die zu einer Entzündung von Bindehaut und Nasenschleimhaut führen.

Die Allergie könne jedoch gut in Zaum gehalten werden, so de Zordo. Eine Behandlung des Heuschnupfens bestehe aus drei Pfeilern. Zunächst soll der Kontakt zu den Pollen so weit wie möglich vermieden werden. Dabei rät de Zordo, die Augen und die Nase mehrmals täglich auszuwaschen, eine Sonnenbrille zu tragen und die Haare vor dem Schlafengehen zu waschen. Nasenspray und Augentropfen seien ebenfalls wirksame Hilfsmittel. Als dritter Pfeiler biete sich eine sogenannte Desensibilisierung an. «Bei der Therapie werden kleine Dosen des allergieauslösenden Stoffes mittels Spritzen oder Tabletten verabreicht.» Über drei bis fünf Jahre hinweg werde diese Dosis stetig leicht erhöht. «So kann sich das Immunsystem allmählich an den Stoff gewöhnen, und die Allergie schwächt sich ab», sagt de Zordo. Dies kann auch eine vorbeugende Wirkung auf einen Etagenwechsel haben.

Gesellschaft ist «zu sauber»

Trotz der guten Behandlungsmöglichkeiten steigt die Zahl der Pollenallergiker stetig an. Das hänge auch mit der zunehmenden Hygiene der Gesellschaft zusammen, erklärt Sereina de Zordo. Das Immunsystem sei früher viel stärker mit der Bekämpfung von allerlei Erregern beschäftigt gewesen. Heute seien die Menschen nicht mehr gleich vielen Viren und Bakterien ausgesetzt, weshalb der Körper auch auf harmlose Stoffe reagiere. Zudem würden auch Umweltschadstoffe und die Klimaveränderung zur Verbreitung der Pollenallergie beitragen.


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