Windkraft: Die grosse Flaute

ENERGIE ⋅ Im Kanton Luzern sind mehrere Windkraftanlagen in Planung. Doch die Umsetzung stockt. Mehrere Projekte sind durch jahrelange Abklärungen blockiert.

26. November 2016, 00:00

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Woher bläst der Wind in Sachen Windkraft im Kanton Luzern? Die Frage stellt sich nicht zuletzt, weil die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) – der grösste Player im lokalen Strommarkt – sich kürzlich von einem Windparkvorhaben zurückgezogen hat: Das Projekt Kirchleerau/Kulmerau bei Triengen, wo vier Windkraftanlagen geplant waren, wurde gestoppt (Ausgabe vom 10. November). Windkraftprojekte sind im Kanton Luzern meist ein konfliktbeladenes Unterfangen. In Triengen etwa kämpften die Gegner mittels einer Initiative erfolgreich für einen Mindestabstand zu bewohnten Gebäuden. Dies führte letztendlich zum Projektabbruch seitens der CKW.

Ganz vom Windmarkt abgesprungen ist die CKW damit aber noch nicht. In Lutersarni auf der Rengg im Entlebuch betreibt sie die grösste Windenergieanlage der Zentralschweiz. Die Anlage weist eine Nabenhöhe von 80 Metern aus und produziert Strom für rund 660 Haushalte. Auf der Rengg befinden sich zudem noch zwei kleinere Anlagen, die von der Windpower AG betrieben werden und Strom für 300 bis 600 Haushalte generieren. Gemäss Projektinitiant und Betreiber Roland Aregger liegt der Fokus derzeit auf der mittelfristig anstehenden Erneuerung der beiden Anlagen: «Die Nutzungsdauer für solche Anlagen beträgt rund 20 Jahre», sagt er. «Die beiden Anlagen stehen seit fast 12 Jahren in Betrieb, und ein Erneuerungsverfahren wird einige Jahre beanspruchen.» Ein Ausbau der Anlage habe derzeit keine Priorität. Dennoch: Gemäss Aregger wurden mehrere Gebiete im Entlebuch auf ihr Windkraftpotenzial geprüft. «Ein Projekt ist in der Vorprüfung, aber noch nicht spruchreif.»

Lindenberg rückt in den Fokus

Mit Ausnahme der Anlagen im Entlebuch sind die meisten anderen Windkraftprojekte zwar seit Jahren aufgegleist, kommen aber nur sehr mühselig voran – falls überhaupt. Im Folgenden ein Überblick über die noch unrealisierten Projekte: Auf dem Lindenberg bei Müswangen (Ortsteil von Hitzkirch)an der Kantonsgrenze zwischen Luzern und dem Aargau könnten maximal zehn Windkraftanlagen erstellt werden. «Die Raumplanungsbehörden der Standortkantone Luzern und Aargau haben die Voraussetzung geschaffen, das Projekt konkret weiterzuplanen», bestätigt Mediensprecher Marcel Schmid von den CKW auf Anfrage. Geprüft werde ein Windpark mit bis zu 10 Windkraftanlagen, die Strom für mehr als 10000 Haushalte produzieren könnten.

Die CKW sind bei den dortigen Plänen beteiligt, treibende Kraft sind jedoch die Aargauer Energiewerke AG (AEW). «Das Projekt wird gemeinsam entwickelt», sagt Louis Lutz, Leiter Erneuerbare Energien bei den AEW. Gemäss Lutz haben auf dem Lindenberg mehrere Parteien Interesse, einen Windpark zu realisieren. Dazu gehören nebst der AEW und den CKW auch die Service Industriels de Geneve (SIG) sowie die private Aktiengesellschaft Windenergie Lindenberg AG. Letzterer gehören unter anderem mehrere dort beheimatete Landwirte an. «Wir arbeiten derzeit daran, die Arbeiten der Parteien in einer Projektgesellschaft zusammenzuführen, um dann gemeinsam das Genehmigungsverfahren anzustossen», sagt Lutz.

Jedoch hat sich gegen die Pläne auf dem Lindenberg mit der «IG gegen Windpark Lindenberg-Hitzkirch» Widerstand formiert. Ähnlich wie in Triengen wird auch hier argumentiert, dass die Anlagen zu nahe an besiedeltem Wohngebiet geplant sind.

Hoffnungen am Stierenberg

Am Standort Stierenberg in der Gemeinde Rickenbach prüfen Private die Erstellung eines Windparks mit drei Windenergieanlagen. Initianten des Projekts sind CVP-Kantonsrätin Priska Wismer und Ehemann Roland Wismer. Mittels eines Windmastes werden während eines Jahres Daten über die Windstärke erfasst. Die Messungen dauern noch bis Ende Dezember an. «Danach werden wir ein Windgutachten erstellen lassen», erklärt Roland Wismer. Alle weiteren Schritte würden davon abhängen, ob dieses Gutachten positiv oder negativ ausfalle. So etwa auch die Grösse und Leistung der Anlagen.

Nicht unweit vom Standort der geplanten Anlagen beim Stierenberg, im Gebiet Diegenstal, will die Genossenschaft Windenergie Diegenstal (GWD) einen Windpark mit drei Anlagen errichten. Konkret würden zwei neue Anlagen die dort bereits bestehende ergänzen. Die kleinere Anlage liefert derzeit Strom für drei Haushalte.

Fischbach bleibt blockiert

Bereits seit 2007 bestehen in der Gemeinde Fischbach Pläne für einen Windpark. Ursprünglich wären fünf Anlagen vorgesehen gewesen. «Dagegen gab es aber massiven Widerstand seitens der Bevölkerung», sagt Markus Maurer, Präsident der Genossenschaft Windenergie, die hinter dem Projekt steht. Der Plan der Genossenschaft wäre nun ein Windpark mit drei Anlagen – wobei man zuerst nur eine errichten würde. «Es geht darum, die Akzeptanz der Bevölkerung und die Wirtschaftlichkeit besser einschätzen zu können», erklärt Maurer. Das Problem: Das aktuelle Windenergiekonzept des Kantons schreibt vor, dass Windparks mindestens aus drei Anlagen bestehen müssen. «Unser Projekt liegt beim Kanton zur Vorprüfung. In dieser Sache sind wir uns aber uneinig.»

Ein weiteres Problem: die schweizerische Flugsicherung Skyguide. Sie betreibt im benachbarten Grossdietwil eine Funkanlage. Die Windkraftanlagen kämen gemäss aktuellem Stand rund 3,2 Kilometer entfernt von der Skyguide-Anlage zu stehen. Laut Gemeindepräsident Josef Vogel verlangt Skyguide einen Abstand von rund 15 Kilometern, da man befürchte, dass die Windkraftanlagen den Funkverkehr stören könnten. Darum befindet sich das Projekt auch hier weiterhin in der Phase der Abklärungen und Gutachtenerstellung.

Schweizweit 56 Windkraftanlagen

Nach aktuellen Zahlen der Vereinigung zur Förderung der Windenergie Suisse Eole stehen derzeit schweizweit 37 Windkraftanlagen, die eine Leistung von 100 Kilowatt oder mehr ausweisen, im Einsatz. Dazu gehören die drei Entlebucher Anlagen. 19 weitere Anlagen weisen eine tiefere Leistung aus. Die daraus resultierende Stromproduktion entspricht dem jährlichen Strombedarf von «rund 30 000 sparsamen Haushalten», wie es in einem Dokument der Suisse Eole heisst.

2015 betrug der Anteil des Windstroms am Gesamtstromverbrauch der Schweiz 0,15 Prozent. Im Rahmen der Energiestrategie will der Bund bis 2050 rund 10 Prozent des Stromverbrauchs in der Schweiz mit Windturbinen abdecken. Das entspricht etwa 800 Anlagen in 120 Windparks.


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