Wird ein Landhandel verhindert?

HOCHDORF ⋅ Die Gemeinde will ein Grundstück im Industrieareal Turbi verkaufen. Das Vorhaben soll nicht nur einen Gewinn mit sich bringen, sondern auch bis zu 20 Arbeitsplätze. Doch es bahnt sich Opposition an.
21. April 2017, 00:00

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Hochdorf soll seit zwei Jahren nur noch langsam wachsen. Die Stimmbürger nahmen eine entsprechende Initiative 2015 an. Damit darf die Einwohnerzahl künftig nur noch um maximal 0,7 Prozent pro Jahr wachsen.

Vor kurzem kam zudem die sogenannte Bodeninitiative zu Stande, die verlangt, dass gemeindeeigene Liegenschaften nicht mehr verkauft werden dürfen (Ausgabe vom 17. Februar). Diese dürften Dritten bei einem Ja künftig nur noch im Baurecht überlassen werden. Ein Verkauf oder ein Tausch soll nur noch zulässig sein, wenn ein gleichwertiger Ersatz erworben wird. Über die Initiative sollen die Stimmbürger in der zweiten Hälfte dieses Jahres befinden können.

Verhandlungen laufen seit 2013

In dieser wachstumskritischen Phase kommt nun eine Vorlage über den Verkauf eines Gemeindegrundstücks im Industrieareal Turbi an die Urne. Eine Fläche der Grösse von 5963 Quadratmetern soll an die Hodel SHLK AG verkauft werden. Das Grundstück befindet sich zwischen der Baldeggstrasse und der ARA Hochdorf. Die Firma Hodel SHLK AG ist in Römerswil zu Hause und im Rohr- und Anlagenbau tätig. Zwischen 15 und 20 Arbeitsplätze sollen laut der Botschaft des Gemeinderats dank der Ansiedlung in Hochdorf entstehen. Am 21. Mai wird die Bevölkerung entscheiden, ob die Wiese in der Grösse von etwa einem Fussballfeld verkauft werden soll.

Die Gespräche mit der Hodel SHLK AG laufen seit 2013. Der Verkaufspreis wurde auf rund 1,49 Millionen Franken festgelegt. Die Bevölkerung hat aber wegen der Höhe des Preises das letzte Wort beim Verkauf.

In Hochdorf wird der Verkauf der Parzelle auch kritisch gesehen. Hans Bächler, Interimspräsident der SP Hochdorf und Mitinitiant der Bodeninitiative, sagt gegenüber unserer Zeitung, dass sich die SP gegen das Vorhaben stellt: «Wir wären unglaubwürdig, wenn wir uns für den Verkauf aussprechen würden.» Die Gemeinde verfüge nur noch über wenige Landreserven, diese sollen als «Grundkapital» künftigen Generationen erhalten bleiben. Hans Bächler betont, dass sich die SP für Arbeitsplätze und qualitatives Wachstum ausspreche, so seien auch die geplante Überbauung und die Ansiedlung der Firma kein Problem. Aber das müsse ohne Landverkauf möglich sein, meint Bächler. «Wir halten die Abgabe im Baurecht für die beste Option. Wir wissen jedoch nicht, ob der Gemeinderat diese Möglichkeit bei der Verhandlung überhaupt in Betracht gezogen hat.» Im Baurecht bliebe die Gemeinde Besitzerin des Bodens, die Hodel SHLK AG könnte aber trotzdem darauf bauen.

«Sicher nicht im Sinn der Initiative»

Es ist damit zu rechnen, dass sich auch das Komitee der Bodeninitiative gegen den Verkauf aussprechen wird. Hans Bächler erklärt dazu: «Es ist sicher nicht im Sinn der 723 Unterzeichner der Initiative, dass dieses Land verkauft wird.» Dass der Gemeinderat den Verkauf gerade noch vor der Abstimmung über die Initiative an die Urne bringt, hält Bächler für problematisch. Denn zuerst müsse der Grundsatzentscheid gefällt und erst danach über den Einzelfall entschieden werden. Falls die Hochdorfer Ja zur Bodeninitiative sagen, bevor über den Verkauf der Parzelle befunden würde, wäre dieser nicht mehr möglich.

Gemeindepräsidentin Lea Bischof entgegnet, dass die Verhandlungen über den Verkauf des Areals während mehr als dreier Jahre geführt wurden. «Der Gemeinderat hat 2006 das Areal Turbi bewusst für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen gekauft.» Der Gemeinderat und die Firma Hodel seien sich einig geworden, bevor die Initiative eingereicht wurde. Der zu er­wartende Buchgewinn von 800000 Franken sei transparent im Voranschlag 2017 eingestellt. Entsprechend stehe auch keine Taktik dahinter, dass dieses Geschäft noch vor der Abstimmung über die Bodeninitiative dem Stimmbürger vorgelegt wird. Bischof erklärt: «Wir möchten die Firma hier ansiedeln. Uns geht es um die Glaubwürdigkeit gegenüber dem Unternehmen. Wir wollen ein fairer und zuverlässiger Verhandlungspartner sein.»

Firmeninhaber Jörg Hodel betont ebenfalls, dass die Verhandlungen 2013 begannen und 2016 abgeschlossen wurden. «Ich möchte meine Firma weiterentwickeln, in Hochdorf ansiedeln und Arbeitsplätze anbieten», sagt er. Das Gelände im Baurecht zu übernehmen, sei für ihn keine Option. Ausschlaggebend für Hochdorf sei gewesen, dass er dort beziehungsweise in Römerswil aufwuchs und entsprechend mit der Region verbunden sei.


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