Acht Nonnen warten auf den Papst

ESCHENBACH ⋅ Eine Stiftung will die Klosteranlage übernehmen. Die acht Schwestern konzentrieren sich künftig ganz auf die klösterlichen Aufgaben. Es fehlt nur noch der Segen aus Rom.
17. Juni 2017, 00:00

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Noch acht Schwestern leben in der Zisterzienserinnenabtei Eschenbach. Das Durchschnittsalter beträgt über 78 Jahre. Aufgrund fehlender Neueintritte und der Überalterung haben die Schwestern 2014 begonnen, sich intensiv mit der Zukunft ihres Klosters auseinanderzusetzen.

Nun steht fest: Die Zisterzienserinnenabtei Eschenbach soll mit der kirchlichen Stiftung «Frauenkloster Eschenbach» eine neue Trägerschaft erhalten, wie das Kloster mitteilt. Schwester M. Ruth Nussbaumer, Äbtissin der Zisterzienserinnen-Gemeinschaft, erklärt auf Anfrage: «Die Stiftung wird uns künftig alle betrieblichen Aufgaben abnehmen. So können wir uns auf das klösterliche Leben konzentrieren.» Der Entscheid zur Stiftungsgründung fiel Ende März. «Wir mussten der Wahrheit in die Augen sehen und wollten nicht einfach abwarten», führt sie aus. Schliesslich habe man den Entscheid auch mit einer Portion Gottvertrauen gefällt. Mit dem Entschluss ging auch einher, dass der Konvent künftig keine Novizinnen oder Schwestern mehr aufnehmen kann.

Stiftung soll Betrieb und Unterhalt übernehmen

Im Fokus des Klosterlebens soll weiterhin angemessen «ora et labora» – beten und arbeiten – stehen. Und Schwester M. Ruth sagt: «Solange es möglich ist, möchten wir auch unsere Kunstwerkstätte weiter betreiben.» Die Verantwortung für das Wohlergehen des Konventes sowie den Betrieb und Unterhalt der Anlagen aber wird die Stiftung übernehmen. Damit wollen die Schwestern sicherstellen, dass sie ihr klösterliches Leben am bisherigen Ort weiterführen können und sie dereinst hier beerdigt werden. Ausserdem soll die Klosteranlage später – wenn immer möglich – durch eine Institution des römisch-katholischen Kultus genutzt werden.

Paul Twerenbold, der frühere Zuger CVP-Regierungsrat, ist designierter Stiftungspräsident. Er erklärt: «Wir werden künftig den ganzen Betrieb sicherstellen und für das Wohlergehen der Schwestern sorgen.» Diese hätten «spürbar erleichtert» reagiert. Um die Anlage zu unterhalten, muss die Stiftung nun Geld beschaffen. Das Ziel sei es, dass mit dem gesamten Klostergut mehr Ertrag erwirtschaftet wird – etwa indem eine Parzelle überbaut werde – und Synergien generiert werden. «Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Stiftungsrats, sich dazu Gedanken zu machen.» Den Schwestern sei wichtig, dass Betrieb und Unterhalt der denkmalgeschützten Anlage die öffentliche Hand nicht belaste.

Die Zisterzienserinnenabtei Eschenbach ist eine rechtlich selbstständige Abtei der Zisterzienserkongregation von Mehrerau. Dennoch sollen die Interessen Letzterer auch künftig gewahrt werden. Der Vaterabt der Kongregation und der Bischof von Basel haben der Stiftungsgründung zugestimmt. Die ins Italienische übersetzten Dokumente sind nun unterwegs nach Rom, wie Twerenbold sagt. «Wir rechnen damit, dass es rund ein Jahr dauert, bis wir eine Rückmeldung vom Heiligen Stuhl erhalten.» Man werde nun «ohne zeitlichen Druck» den Stiftungsrat zusammensetzen und Vorbereitungsarbeiten vornehmen.


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