U20

Ausflug auf der Couch

14. August 2017, 00:00

Die letzte Schulstunde, dann der lang ersehnte Gong, endlich Ferien. Ein unglaubliches Glücksgefühl macht sich in mir breit. Endlich kann ich all die Dinge tun, welche bei mir im Alltag keinen Platz haben: mit Freunden campieren, shoppen, backen, mein Zimmer neu dekorieren, den Garten umgraben.

Ich komme nach Hause, montiere die Trainerhose und lege mich erst mal auf die Couch. Draussen scheint die Sonne herrlich. Dennoch checke ich meine Nachrichten, like Bilder und lande auf Youtube.

Mittlerweile steht die Sonne tief am Horizont. Die Couch hält mich gefangen. Ich schaffe es nicht mehr an die frische Luft, aber ich habe die Ferien ja noch vor mir. Ich gönne mir Schokolade und Chips und schaue mir lustige Sendungen an. Am nächsten Tag fläze ich mich wieder auf meinen bequemen Freund im Wohnzimmer. Ich überlege mir, was ich morgen von meiner Ferienliste erledigen möchte. So geht das nun jeden einzelnen Tag. Jeden Tag denke ich, morgen, morgen mach ich was richtig Tolles.

Am letzten Ferientag zerreisst es mich fast vor Wut. Aus meinen Ferienvorhaben ist nichts geworden. Stinksauer stapfe ich in aller Herrgottsfrühe in den Garten und setze mich barfuss im Pyjama in den Regen. Ich frage mich, ob ich wahnsinnig geworden bin. Als ich mich selbst langsam wieder spüre, beginne ich zu frösteln. Ich habe mich beruhigt, gehe wieder ins Haus und hole den Staubsauger. Frustriert sauge ich die ganze Couch mit all deren Ritzen ab. Das Gerät füllt sich schnell mit eingesessenem Popcorn, zermalmten Chips und bröseligen Salzstangen. Ich fühle mich besser. Eine sinnvolle Sache habe ich wenigstens getan. Ausserdem stehen bald die nächsten Ferien an.

Hinweis

In der Kolumne U20 äussern sich die Autoren zu von ihnen frei gewählten Themen. Ihre Meinung

muss nicht mit derjenigen der

Redaktion übereinstimmen.

Lisa Müller, 16, Kanti Sursee

kanton@luzernerzeitung.ch


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