Band bringt Publikum zum Schwelgen

MUSIK ⋅ Die Brass Band Musikgesellschaft Oberrüti präsentiert ihr Jahreskonzert unter dem Motto «Träumerei» – Albträume sucht man vergebens.
14. November 2017, 00:00

Die Mehrzweckhalle in Oberrüti ist prall gefüllt – und fast komplett in Dunkelheit gehüllt. Nur ein paar Kerzen brennen im Saal. Auf der Bühne erhellen Taschenlampen die Notenblätter der Musikantinnen und Musikanten der Brass Band Musikgesellschaft Oberrüti (BB MG Oberrüti). Doch noch spielen sie nicht, denn zuerst lädt Erwin Stehli, Moderator des Konzertabends zum Thema «Träumerei», das Publikum zum Schwelgen mit Brassband-Klängen ein: «Wenn man träumt, sollte man auf nichts verzichten müssen.»

Den musikalischen Anfang macht die BB MG Oberrüti unter der Leitung von Dani Haus mit dem rätoromanischen Wiegenlied «Tutta nana tgu». Das Stück lebt von einer ruhigen Emotionalität und ist daher ein wunderbarer Einstieg in das abwechslungsreiche Abendprogramm. «Träumerei passt zum Abend», sagt der 24-jährige Konzertbesucher Robert Näger. Doch dem Traum inhärent ist das Erwachen, und der Blick auf das nächste Stück «Dream Catchers» von Paul Lovatt-Cooper verrät, dass dieser Moment bald kommen würde. Lovatt-Coopers Werke sind bekannt für Rhythmik und Dynamik, was die BB MG Oberrüti dann auch gekonnt zeigte. Der Höhepunkt des Stücks wird dabei visuell unterstützt: Bei der lautesten Stelle wird die Bühne erstmals hell beleuchtet. Der Zuschauer ist erwacht.

Brillante Solisten

Dass jedoch die schönsten Träume oft mit offenen Augen geträumt werden, zeigt das dritte Stück des Abends «Song of Hope» des englischen Komponisten Peter Meechan. Die glänzende Darbietung der drei Solisten Pascal Meier und Toni Weingartner am Solokornett sowie Lukas Isler am Soprankornett berührt und beschert einen echten Gänsehautmoment – zumal Pascal Meier vom anderen Ende der Mehrzweckhalle spielt und so ein Cornet-Sound aus 360 Grad entstand. Mit «Der Beherrscher von Geister» folgt das wohl anspruchsvollste Stück. Das Werk von Carl Maria von Weber ist die Ouvertüre zur Oper «Rübezahl». Den Abschluss des ersten Konzertteils macht der majestätische Marsch «The Senator».

Der zweite Konzertteil beginnt spektakulär. Ein Schlagzeug-Intro der Perkussionisten leitet «Hawaii Five-O» ein, welches neben einer La-Ola-Welle auch ein Stepptanz-Solo beinhaltet. Auf den Klassiker «A Kind of Magic» der britischen Rock-Band Queen folgt «Probier’s mal mit Gemütlichkeit». Alle Anwesenden im Saal dürften dieses Lied mit dem Kinoheld Balu der Bär aus dem Disney-Film «Das Dschungelbuch» assoziieren. Und tatsächlich: In einem hellbraunen Bären-Kostüm spielt der Tubist Michael Bucher sein Solo humorvoll, aber auch musikalisch sehr gekonnt. Nicht weniger Klamauk beinhaltet «Mr. Sandman», bei dem weitere Soli zum Besten gegeben werden. Mit dem tragenden und dramatischen Stück «Starburst» beendet die BB MG Oberrüti den gelungenen Konzertabend, bei welchem das Publikum weder auf Unterhaltung noch auf musikalische Qualität verzichten muss – fast wie in einem Traum.

Pascal Studer

redaktion@zugerzeitung.ch


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