Beck macht sich stark für Metzg

RUSWIL ⋅ Die Rottal-Metzg schliesst Ende April den Laden. Jetzt will Bäcker Franz Willi in die Bresche springen. Und einem neuen Metzger bietet er sogar an, Lokal und Einrichtungen ein Jahr auf Probe zu mieten.
16. April 2018, 00:00

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Kaum ist medial publik, dass die Rottal-Metzg im Ruswiler Dorfteil Rüediswil ihr Ladenlokal per Ende April schliesst (Ausgabe vom 12. April), sorgt ein Inserat im Anzeiger vom Rottal für Aufsehen. «Mitten im Zentrum, an bester Frequenzlage bietet sich die Möglichkeit, als einzige Metzgerei in der Gemeinde Ruswil mit fast 7000 Einwohnern, einen Metzgerei-Laden selbstständig zu führen», steht unter anderem in der Annonce. Bäcker- und Konditormeister Franz Willi hat sie geschaltet. Die Willi Beck AG ist mit Verkaufsstellen in Sempach, Sempach-Station, Neuenkirch, Hellbühl, Wolhusen und auch in Ruswil präsent. Seine Produktionsstätte hat er im Städtli Sempach.

Das Geschäft sei modern für eine Metzgerei eingerichtet, sodass die Selbstständigkeit mit wenig Eigenmitteln ermöglicht werde. Je drei Laufmeter Verkaufsfläche und eine Stufenvitrine, beide gekühlt, sowie zusätzlicher Kühlraum wären für Frischfleisch vorhanden, steht weiter im Inserat. Konkret geht es um eine 40 Quadratmeter grosse Fläche. Diese befindet sich zwischen den beiden Ladenlokalen der Bäckerei Willi und der Papeterie Bürobedarf Meyer.

Schliessung in Rüediswil: «Schade und bedauerlich»

Frei ist dieser Raum geworden, weil der bisherige Mieter Ignaz Baumgartner seine «Chäslädeli»-Filiale in Ruswil vor rund einem Jahr aufgab. Seither bietet die Willi-Beck Milchprodukte in diesem Verkaufsraum an. Die zur Diskussion stehende Fläche befindet sich im Gebäude an der Hellbühlerstrasse 6. Eigentümer ist Franz Willi. Die drei Geschäfte sind durch Automatiktüren miteinander verbunden und haben eigene Ladeneingänge.

Dass das Inserat praktisch gleichzeitig mit dem Bekanntwerden der Ladenschliessung in Rüediswil einhergeht, «ist nicht ganz Zufall», sagt Willi. Durch die Lieferung von Brot und Backwaren und das Beziehen von Fleisch und Wurstwaren für die Backstube und die Verkaufsstellen verbindet ihn mit der Rottal-Metzg eine jahrelange Geschäftsbeziehung. Und so hat er kürzlich Inhaber Fabian Zihlmann angerufen, um sich über den aktuellsten Stand der längst hinter vorgehaltener Hand kursierenden Gerüchte im Dorf zu informieren.

Willi sagt: «Ich finde es sehr schade und bedauerlich, dass der Laden in Rüediswil schliesst. Ich bin der Meinung, Ruswil braucht ein solches Geschäft.» Daher möchte er einem Metzger mit der entsprechenden Ausbildung eine Chance bieten. «Mehrjährige Erfahrung und grosse Freude am Kontakt mit Kunden gehören ebenfalls zum Anforderungsprofil», erklärt Willi. Der Unternehmer stellt sich vor, dass Frischfleisch, aber auch pfannenfertig angelieferte oder vor Ort noch zu veredelnde Ware, abgepackte Artikel sowie Spezialitäten im Sortiment geführt werden. Und der Bäckermeister verspricht sich zudem Synergien nach dem Motto: Ein Geschäft «zieht» den Kunden in seinen Laden, profitieren können davon im besten Fall alle drei Betriebe. Weiter bietet Beck Willi am Mittag auch warme Speisen an. «Um 14Uhr hat unser Koch jedoch Feierabend – dann könnte der Metzger beispielsweise die Infrastruktur – wie etwa den Steamer – mitbenützen», sagt Franz Willi.

Heisst das, dass die Rottal-Metzg ebenfalls als Fleischlieferant zum Zuge kommen soll? «Möglich, muss aber nicht sein», erklärt der Bäckermeister, der in seinem Betrieb rund 80 Mitarbeiter beschäftigt. Den Entscheid möchte er dem künftigen Metzger überlassen. Willi betont aber auch, sofern nötig über gute Kontakte zu möglichen Lieferanten zu verfügen.

Investitionen im tiefen fünfstelligen Bereich

«Das Bedürfnis für einen Metzgerei-Laden in Ruswil ist sehr, sehr gross», gibt er sich überzeugt. Dies, obwohl Denner und Migros gegenüber der Rottal-Metzg in Rüediswil abgepackte Fleischwaren und der Coop nur unweit vom zur Diskussion stehenden Ladenlokal im Dorfzentrum dasselbe Angebot und dazu noch eine Ecke für Frischfleisch im Sortiment bieten. Willi dazu: «Viele Kunden haben den Wunsch, nach wie vor das Fachgeschäft zu bevorzugen.» Des Weiteren könnte er sich vorstellen, dass ein Metzger das Lokal inklusive Einrichtungen «erst mal ein Jahr auf Probe» mietet. Möglich ist ebenfalls, dass eine bestehende Metzgerei den Raum als Filiale benützt. Die Investitionen beurteilt er «im tiefen fünfstelligen Bereich» als «sehr bescheiden».

Und wann könnte der neue Laden im Dorfkern seine Türen öffnen? Das Lokal stehe ab sofort bereit, erklärt der Eigentümer. «Theoretisch ist der Start in einer Woche möglich.» Festlegen will er sich terminlich aber nicht. Es sei auch nicht schlimm, wenn die Eröffnung sich bis zum Sommer hinziehe. «Metzger haben auch Kündigungsfristen.» Willi kann warten, «bis es passt».


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