Landauf, landab

Chöubi

13. Oktober 2017, 00:00

Es gibt einige Termine im Jahr, die sollte man unter keinen Umständen verpassen: den Hochzeitstag, die Frist für die Steuererklärung und dann natürlich die Kilbi. Mit diesem Gedanken besuchte ich eine Kilbi – allerdings am Zürichsee und nicht wie gewohnt im Luzerner Seetal. Ein Fehler. Statt Bäckerstand und Mohrenkopfschleuder dominierten dort gigantische Bahnen, Profi-Magenbrotstände und Putschi­autos. Alles blinkte und tutete wie im Europa-Park. Keine Flohmi-Ecke, keine Primarschüler, die gehäkelte Topflappen verkaufen, um damit ihr Klassenlager zu finanzieren, und vor allem: kein Bäckerstand.

Und das fand ich dann allerhand, ist er doch das Herzstück einer Kilbi. Ein Bäckerstand mit Drehrad, einem stimmgewaltigen Ausrufer und den berühmt-berüchtigten Gartenplatten als Trostpreis. Wer sie nicht kennt: Gartenplatten sind kuchenartige, viereckige Gebäckstücke, die bestens als Diätmittel taugen. Oder als Mutprobe. Essen kann man sie nämlich nicht. (Zumindest habe ich das noch nie geschafft – jedenfalls nicht ganz.) Jeder möchte zwar gern mal daran knabbern und erschaudern, aber keiner möchte sie gewinnen. Auch das ist Nervenkitzel. Die Gartenplatten lehren einen, dass man unter Umständen auch mal gerne dafür bezahlt, etwas nicht zu bekommen. Es soll sogar Kilbigänger geben, die ihre Gewinnnummer verleugnen, wenn sie beim Trostpreis ausgerufen wird.

So geht man im Idealfall nach einem solchen Kilbibesuch zu Fuss im strahlenden Sonnenschein durch das raschelnde Herbstlaub nach Hause, hat 50 Franken investiert und dafür einen Rosenkuchen und einen schiefen Topflappen bekommen. Unter dem Strich eine gute Bilanz, hätte es einen doch auch mit der Gartenplatte treffen können.

Hinweis Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redak­toren unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

Luzia Mattmann Journalistin

kanton@luzernerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: