Darum wirkt Humor entwaffnend

ABSCHLUSS ⋅ Tatjana Hehli (25) und Natalie Keinath (34) von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit versuchen, Konflikten mit Humor zu begegnen. Er könne Eskalationen verhindern – aber nicht immer, sagen die Autorinnen.
15. September 2017, 00:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Jeder hat es schon erlebt. Man gerät sich in die Haare. Weil man enttäuscht ist, sich hintergangen fühlt oder man schlicht nicht einer Meinung ist.

Mit diesem Thema haben sich Tatjana Hehli aus Luzern (25) und Natalie Keinath aus Zürich (34) in ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit befasst. Genauer: Sie untersuchten, inwiefern Humor als Intervention bei Konflikten wirken kann. Schnell wird klar: Tatjana Hehli hat Humor. Sie macht Witze, ist ironisch und lacht viel. Als besonders humorvoll würde sie sich dennoch nicht bezeichnen. «Humor ist auch immer eine Ansichtssache.»

Die Arbeit war nicht immer humorvoll

Während ihrer Praktika mit Jugendlichen habe sie realisiert, dass sich mit Humor Konflikte bewältigen lassen. Genau gleich ergangen ist es ihrer Studienkollegin. Darum haben die beiden eine Arbeit zum Thema Konfliktbewältigung mit Humor geschrieben. Nicht immer war ihre Arbeit indes humorvoll, sagt Hehli – und lacht. «Das Recherchieren und Schreiben hat rund ein Jahr gedauert und war manchmal auch schwierig.» Arbeiten zu zweit berge generell mehr Konfliktpotenzial, als wenn man es allein macht. Gab’s bei der Arbeit Streit? «Nein», sagt Hehli und fügt an: «Wir haben einen ähnlichen Humor.» Anders sieht es bei den Jugendlichen aus. «Sie finden anderes lustig als Erwachsene. Sie mögen vor allem den Humor der Gleichaltrigen.» Darum funktioniert Humor als Konfliktbewältigung nicht immer. «Es gab Situationen, da ging der Versuch, eine Eskalation mit Humor zu verhindern, bachab», räumt sie ein. «Und ich finde auch nicht alle Witze der Jugendlichen lustig», fügt sie an. Wichtig sei, dass man sich selber treu bleibe. «Es bringt nichts, wenn ich jeden Konflikt mit einem Witz zu entschärfen versuche. Ich muss spüren, was ich mir erlauben darf und wo meine Grenzen bezüglich Humor sind – was unter der Gürtellinie ist, geht etwa nicht, auch wenn es die Jugendlichen lustig finden.»

Warum kann Humor eine Eskalation verhindern? «Die humorvolle Art schafft Distanz.» Kurz bevor es zum Knall komme, könne mit einem ironischen Spruch die Spannung gebrochen werden. Wichtig sei generell, dass man gelassen mit solchen Situationen umgehe. Gestern Abend feierten die beiden ihren Abschluss. Nach langen Ferien nehmen Tatjana Hehli und Natalie Keinath ihre erste Stelle an. Hehli im Therapieheim Sonnenblick in Kastanienbaum als Sozialpädagogin, und Keinath ist auf Stellensuche. Sie möchte als Sozialpädagogin mit Jugendlichen arbeiten.


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