«Das ist eine absolute Freveltat»

MOSEN ⋅ Adrian Bommer moniert am Uferweg zwischen Mosen und Beinwil am See diverse Abholzungen – und ärgert sich über die Antworten der zuständigen Dienststelle. Deshalb zieht er weitere Schritte in Betracht.
11. August 2017, 00:00

Den Uferweg zwischen Mosen und Beinwil am Hallwilersee nutzen viele Spaziergänger als Naherholungsgebiet. Speziell im Sommer ist er stark frequentiert. Grillstellen laden zum Bräteln und Verweilen ein. Oft darf auch ein kühles Bad nicht fehlen. Entlang des Wanderweges stehen auch diverse Wochenend- und Ferienhäuser. Auf einer dieser Parzellen steht das Anwesen von Adrian und Gabi Bommer. Es wird von den beiden ganzjährig bewohnt.

Nun hat Adrian Bommer unweit seines Grundstücks eine in den Uferschutzbereich geschlagene Schneise entdeckt. Für ihn ist dieser Vorgang eine «absolute Freveltat». Beidseits des Uferweges seien umfangreiche Abholzungen vorgenommen worden. «Das dabei angefallene Holz – Äste und Stämmchen – wurde liegen gelassen beziehungsweise ins angrenzende Schilf entsorgt», so Bommer.

Weil er «diese Vorkommnisse so nicht stehen lassen wollte», meldete Bommer diese weiter. Mit der Hoffnung, dass der Fall intensiv untersucht werde. «Mittlerweile muss ich aber feststellen, dass der Eingriff vom zuständigen Amt mit allen Mitteln verharmlost wurde beziehungsweise immer noch wird.»

Lawa will Situation im Herbst/Winter analysieren

Doch der Reihe nach: Am 23. Juni informierte Adrian Bommer gemäss einem der Redaktion vorliegenden Mail das Bauamt Hitzkirch über den Vorfall. Er wollte wissen, «ob es sich bei den Abholzungen um amtlich offiziell angeordnete Rodungen handelt oder diese auf private Initiative veranlasst wurden». Sollte der zweite Fall zutreffen, bat er bezüglich Rechtmässigkeit um entsprechende Abklärungen. Die Amtsstelle der Gemeinde Hitzkirch leitete die Anfrage aber an die Dienststelle Landschaft und Wald (Lawa) weiter.

Am 13. Juli kam von Priska Ineichen, Facharbeiterin Arten, eine erste Mail-Antwort in Form eines Fünfzeilers. Darin hiess es, Revierförster Beat Burren und die kantonale Naturschutzfachstelle hätten die Meldung zur Kenntnis genommen, und Herr Burren habe bereits einenAugen­schein genommen. Sie würden die Situation im Zusammenhang mit im Herbst/Winter geplanten Pflegeeingriffen im Detail analysieren und zudem «weiterführen­de Abklärungen, unter anderem betreffend Auftraggeber, treffen.» Sechs Tage später meldete sich die Dienststelle erneut. Dabei erklärte das Lawa, dass das Zurückschneiden von Erlen nicht gesetzeswidrig sei. Zudem sei die fragliche Schilfpartie vermutlich beim letzten Gewitter niedergedrückt worden, und beim erstellten Asthaufen handle es sich um keine Zerstörung von wertvoller Ufervegetation. Richtig angelegt, würden die Asthaufen für die Tiere wertvollen Unterschlupf bieten. Das Lawa pflichtete aber bei, «dass der westliche Schlagabraum nicht ästhetisch ist».

Diese Antworten befriedigen Bommer aber nicht. Im Gegenteil: «Der Gipfel des Zynismus ist, dass es sich hier noch um ‹Gehölzpflege› handeln soll.» Vielmehr vermutet er: «Jemand will durch diese Rodung einen freieren Blick auf den Hallwilersee bekommen.» Wer dies sein könnte, «darüber lässt sich spekulieren», so Bommer. «Daran will ich mich aber nicht beteiligen.»

Was der Eigenheimbesitzer am Seeuferweg am Hallwilersee aber verlangt, ist: «Die Verursacher solcher Eingriffe müssen zur Rechenschaft gezogen werden.» Und wenn nicht? Dann sei es leicht abzusehen, dass andere Anlieger, die sich an der Ufer­bepflanzung ebenfalls stören, früher oder später auch zur Säge greifen. «Die Haltung der zuständigen Dienststelle muss in diesem Falle geradezu als Einladung zur Selbsttat verstanden werden. Die Ziele des Uferschutzes werden so vollständig ad absurdum geführt.» Mit dieser Meinung stehe er übrigens keineswegs allein da.

Und fest steht auch: Bommer will das Thema nach den Antworten der Kantonalen Dienststelle nicht einfach ruhen lassen. Er sagt: «Als nächste Schritte werde ich den Landschaftsschutzverband Hallwilersee und die Pro Natura Aargau kontaktieren.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch


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